Artenvielfalt im eigenen Garten – so kommen die Tiere zu Ihnen | Food & Farm
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Artenvielfalt im eigenen Garten – so kommen die Tiere zu Ihnen

Haselmaus, Nachtigall, Igel und Kröte – dass es die Wald-, Wiesen- und Heckenbewohner aus der freien Natur immer mehr in unsere Gärten zieht, kommt nicht von ungefähr: Unsere Kulturlandschaft, die sich über Jahrtausende aus einer Wald- und Moorlandschaft entwickelte, hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert.
Die Laubmischwälder sind weniger geworden, ebenso die kleinen Äcker, ein- gebettet zwischen schützenden Hecken und Knicks. Auch die Wildblütensäume aus Mohn, Kornblume, Echter Kamille und Kornrade sucht man häufig vergebens. Anders als auf den intensiv bewirtschafteten Flächen von heute gab es in diesen artenreichen Pflanzengemeinschaften für die heimische Tierwelt eine Menge zu holen.
 

Gärten sind gut

 
Die Rote Liste der Wirbeltiere Deutschlands verzeichnet von 478 fast 132 bedrohte heimische Arten von Säugetieren, Brutvögeln, Kriechtieren, Lurchen und Fischen. Schaut man bei den Insekten nach, ist etwa die Hälfte aller Wildbienenarten in Deutschland (aktuell werden 560 gezählt) gefährdet. Und was die Vögel Deutschlands angeht, hat die Vogelwarte Radolfzell – vom Jahr 1850 bis heute – einen Verlust von bis zu 80 Prozent festgestellt. Selbst der „Allerwelts-Spatz“ ist mittlerweile in seinem Bestand deutlich zurückgegangen.
 

Die gute Nachricht

 
Zum Glück besinnen sich immer mehr Landwirte auf eine naturverträgliche Wirtschaftsweise, und sogar das Landwirtschaftsministerium legt „Blühstreifen- und Extensivierungsprogramme“ auf, die Wildtieren und Insekten guten Lebensraum bieten.
 
Zudem spielen Gärten nicht nur für uns Menschen eine wichtige Rolle zur Versorgung, Erholung und Entfaltung – sie erweisen sich auch für Tiere als Zufluchtsort und neue Wohnstatt. Während Nachtigall, Haselmaus und Igel früher eher auf Stippvisiten vorbeischauten, kommen heute viele von ihnen, um für immer zu bleiben – gut für uns.

 

Freunde und Helfer

 
Was immer wir für die heimische Tierwelt tun – wir werden reich belohnt. Etwa durch eine üppigere Obst- und Gemüseernte oder durch weit weniger Blattläuse, Schnecken, Mücken und andere Plagegeister, die bei vielen Nützlingen zur Leib- speise gehören. Zudem geben uns Vögel und Kröten so manch exklusives Konzert und dazu noch die Möglichkeit, sie ent- spannt vom Logenplatz aus zu betrachten.
 

Nettes Ambiente

 
Wie man Wildtiere in den Garten lockt bzw. sie zum Bleiben bewegt, ist kein Hexenwerk. Man muss ihnen die passende Kleinlebensräume und die Pflanzen bieten, die sie als Nahrung, Versteck und Baumaterial für die Kinderstube brau- chen. Je mehr verschiedenartige Nischen ein Garten zu bieten hat, umso mehr tierische Besucher werden sich einfinden. Versteht sich von selbst, dass chemische Pflanzenschutzmittel und mineralische Dünger nicht zu einem angenehmen Aufenthalt beitragen.
 

Locker machen

 
Manchmal helfen Toleranz und Nichtstun am besten, damit sich Insekten, Amphibien und Vögel ansiedeln und auf Dauer wohlfühlen – also bloß nicht immer gleich alles aufräumen. Beispiel. Anstatt Herbstlaub immer sackweise zu entfernen, einfach unter die Büsche fegen, schließlich sind sie ein geschützter Überwinterungsort für Igel und andere Kleintiere; Vögel und Insekten suchen ihr Futter dort. Totholzhaufen werden als behagliches Plätzchen und Brutplatz ebenfalls gern angenommen – wilde Ecken erfreuen sich hoher Beliebtheit!

 

Wie schnell solche Lebensräume besiedelt werden, hängt natürlich davon ab, welche Tiere sonst noch in der Umgebung vorkommen. Wie bei uns Menschen die Qualität eines Gasthauses oder Fünf-Sterne-Hotels scheint sich auch bei Vögeln und anderen wilden Kreaturen ein passender Garten schnell herumzusprechen, sodass mit einer Schar übermütiger Spatzen und eißiger Brummer sicher bald zu rechnen ist.

 
Wie Sie eine Hecke aus Wildgehölzen anlegen und wer dort einzieht, erfahren Sie im neuen Heft FOOD & FARM 5/17.

Food & Farm

Das Magazin für Selbstversorger und Genießer. Bei uns erfahren Sie alles rund um bewusste Ernährung, wir geben Tipps zum Gemüse- und Obstanbau im eigenen Garten, auf dem Acker oder Balkon und zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Ernte verarbeiten können. Obendrauf gibt’s kreative Rezepte und Anregungen für die eigene Küche. 

Unsere Themen im neuen Heft:

  • Hallo Dickkopf! Kürbisse pflanzen, ernten und einfach köstlich zubereiten
  • Hochgenuss: So haben Sie Pilze noch nie gegessen – drei feine Variationen
  • Prost! Ein Biersommelier nimmt acht Pils-Sorten unter die Lupe
  • Kann ich auch: Feine Nuss-Nougat-Creme ganz einfach selber machen
  • Ran an die Kartoffel: Praktische Tipps zu Ernte und Lagerung
  • Resteküche: Das kann man aus Streuobst zaubern
  • Streitgespräch: Landwirte, warum baut ihr so viel Mais an?
  • Bestes Stück: Schnitzel, Speck, Kotelett – das hat die Sau alles zu bieten