Webcam im Stall: Live dabei sein beim füttern, kalben und melken | Food & Farm
Zartes Steak – so geht Dry Aging
24. August 2017
Vom Feld an die Haustür – jetzt liefern die Hofläden aus
29. August 2017

Webcam im Stall: Live dabei sein beim füttern, kalben und melken

Viele Verbraucher fragen sich, wo die Milch, die sie trinken, herkommt und ob sie in Ordnung ist. Ab 4. September berichtet das Projekt „superkuehe.de“ live aus dem Kuhstall – auch im ARD-Morgenmagazin und im Programm des WDR. Jeder kann jederzeit über den Facebook-Messenger Kontakt zu drei Kühen aufnehmen.

 

Chatten mit Kühen

 

User bekommen Nachrichten und können mit den Kühen quasi chatten. Der Zuschauer ist Teil des Experiments: Er kann sich für „seine“ Kuh entscheiden und die Geschehnisse vor Ort live mitverfolgen und mit ihr interagieren. In Echtzeit erfasst „Superkühe“ etwa Milchleistung, Milchqualität, Bewegungsmus- ter und Vitalfunktionen, begleitet die Kühe beim Melken, Kalben und wenn sie besamt werden, veranschaulicht, was sie fressen und wie viel davon, zeigt auf, ob es ihnen gut geht – und schlägt Alarm, wenn eine Krankheit droht.

 

Dabei sein, wenn Kälbchen geboren werden

 

Via Webcams ist der Zuschauer dabei, wenn Kälbchen geboren werden oder wenn es auf die Weide geht. Alle Daten werden zusammen mit Hintergrundinfos zu Livetexten verarbeitet.

Jakob Vicari, freier Wissenschaftsjournalist und Autor, hatte die Idee zur Sensorstory. Zusammen mit vier Kollegen hat er das Projekt entwickelt und wurde vom Magazin „Medium“ als „Wissenschaftsjournalist des Jahres 2015“ ausgezeichnet.

 

FOOD&FARM hat nachgefragt

 

In neuen Heft erzählt er wenige Tage vor dem Start der 30-tägigen Livereportage aus dem Stall, wie alles angefangen hat.

 
FOOD & FARM: Wie kamen Sie auf die Idee der „Superkühe“?
 

JAKOB VICARI: Wir sind Journalisten und dachten, man müsste es doch irgendwie hinkriegen, all die vielen Daten, die immer und überall erhoben werden, so aufzubereiten, dass der normale Bürger sie versteht und sie für ihn von Nutzen sind. Und für diese „Schnapsidee“ haben wir bewusst nach einem Thema gesucht, wo das journalistische Informaten wir uns: Geben wir doch den Kühen eine Stimme.

 
Was genau wollen Sie vermitteln?
 

Wenn es zum Beispiel heißt, im Stall sind jetzt 30 Grad und die Kuh bekommt Hitzestress – dann kann sich der Verbraucher noch nicht viel darunter vorstellen. Das wollen wir ändern und ihn ein Stück weit zum „Experten“ machen, indem wir ihn 30 Tage lang Einblick in das Innenleben einer Kuh gewähren. Mit einer journalistisch erzählten Sensorstory.

 
Was ist das?
 

Wir haben eine Technologie entwickelt, mit der wir aus Sensordaten Texte kreieren können.

 
Das heißt, Sie übersetzen die Daten aus dem Kuhstall in allgemein verständliche Worte.
 

Genau. Über die Daten, die Landwirte bzw. Herdenmanager nutzen, kommen wir sehr nah und gleichzeitig objektiv an das Leben einer Kuh heran.Wir messen die Stallbedingungen, die Lebensbedingungen, kriegen die Informationen, wie viel Milch sie gibt und welche Qualität die Milch hat, und wir kriegen die Daten über das Befinden der Kuh. Wie ist ihre Temperatur, ihre Verdauung, wie viel bewegt sie sich usw. All diese Daten übersetzt zurzeit ein Autorenteam in Textbausteine. Da- raus macht unsere Software ein „Live- Kuhtagebuch“, sodass man den Alltag einer Kuh genau verfolgen kann.

 
Die Kuh spricht zu uns?
 

Gewissermaßen ja.Wir haben lange diskutiert, in welcher Form wir die Texte schreiben wollen, und haben uns letztlich für die Ich-Form, also die Perspektive der Kuh entschieden. Ergän- zend berichten unsere drei Hofreporter von den Höfen.

 
Welche Kühe bei dem Projekt „zur Wort kommen“ und was die Landwirte von dem Projekt halten, lesen Sie in der neuen FOOD & FARM 5/17.
 

Interview: Sabine Breutz-Vincenz

Food & Farm
Das Magazin für Selbstversorger und Genießer. Bei uns erfahren Sie alles rund um bewusste Ernährung, wir geben Tipps zum Gemüse- und Obstanbau im eigenen Garten, auf dem Acker oder Balkon und zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Ernte verarbeiten können. Obendrauf gibt’s kreative Rezepte und Anregungen für die eigene Küche.
Unsere Themen im neuen Heft:

  • Hallo Dickkopf! Kürbisse pflanzen, ernten und einfach köstlich zubereiten
  • Hochgenuss: So haben Sie Pilze noch nie gegessen – drei feine Variationen
  • Prost! Ein Biersommelier nimmt acht Pils-Sorten unter die Lupe
  • Kann ich auch: Feine Nuss-Nougat-Creme ganz einfach selber machen
  • Ran an die Kartoffel: Praktische Tipps zu Ernte und Lagerung
  • Resteküche: Das kann man aus Streuobst zaubern
  • Streitgespräch: Landwirte, warum baut ihr so viel Mais an?
  • Bestes Stück: Schnitzel, Speck, Kotelett – das hat die Sau alles zu bieten