FOOD&FARM auf reisen: So geht Feldwirtschaft auf Afrikanisch | Food & Farm
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FOOD&FARM auf reisen: So geht Feldwirtschaft auf Afrikanisch

No No Koctta fährt mit der Hand durch die Luft und jagt die Mücken davon. Im halbdunklen Eingangsbereich des kleinen Steinhauses haben sie sich in Schwär- men gesammelt. Die Hitze lockt die Insekten an – und der spezielle Geruch getrockneter Algen, die sich in Bündeln in einer Ecke türmen.

 
Es ist später Vormittag. Den Frauen von Matemwe, einem kleinen Küstendorf im Nordosten der tansanischen Insel Sansibar, versprechen die Stunden Ruhe. Sie haben sich im Schatten auf der Holzpritsche und dem kühlen gestampften Boden niedergesetzt. Der Salzgeruch des Meeres liegt in der Luft. Nur wenige Meter vom flachen Steinhaus entfernt schlagen Wellen an den Strand. Die Flut hat das Wasser zurückgebracht.

 

Ihre Felder liegen unter Wasser

 

Die Frauen in den Küstendörfern von Sansibar sind Bäuerinnen der besonderen Art. Ihre Felder liegen viele Stunden am Tag unter Wasser. Der warme, salzige Indische Ozean nährt die Pflanzen besonders gut.

 
Vor 20 Jahren haben Fremde die Algen von den Philippinen mitgebracht, wo diese schon lange kultiviert werden. Seither gedeihen auch vor der ostafrikanischen Insel Eucheuma spinosum und Eucheuma cottonii. Sie wachsen üppig wegen des großen Tidenhubs von bis zu vier Metern. Auch vor Matemwe.

 
„Es ist eine gute Arbeit, aber du brauchst Kraft“, sagt No No Koctta. Die Mutter von sechs Kindern verdient ihren Unterhalt mit der Algenzucht. Sobald sich das Wasser vom Strand zurückgezogen hat, schlüpft sie in ihre Gummilatschen und geht hinaus auf das Feld.

 

Die afrikanischen Algen sind begehrt

 

Die bunten Kanga-Tücher aus hauchdünner Baumwolle schützen Haut und Kopf vor der Sonne. Ihre Mutter Sialeo Amin hilft ihr bei der Arbeit. Die Frauen treiben Reihen aus Holzpflöcken in den sandigen Wattboden und verbinden diese mit Nylonschnüren oder Fischgarn. Diese geben den Setzlingen, die von den größeren Pflanzen stammen, Halt und sorgen zudem dafür, dass das kostbare Seegras nicht von den Gezeiten mit ins Meer hinausgezogen wird.

 
Die Algen sind auf dem Weltmarkt begehrt.Vor allem China nutzt die Mee- respflanze, aber auch Japan importiert sie. Algen sind reich an Proteinen, Vitamin B12 und Omega-3-Fettsäuren. Die Qualität der Pflanzen variiert mit dem Erntezeitpunkt und den Umwelteinflüssen, denen sie ausgesetzt sind.

 

Getrocknetes Seegras als Nahrungsergänzungsmittel

 

Nur ganz wenige Sorten aus der großen Algenfamilie – Forscher gehen von bis zu 500000 verschiedenen Typen aus – landen als Gemüse, Suppenbeigabe oder als Sushi auf dem Tisch. Eher wird getrocknetes Seegras zu Nahrungsergänzungs- oder Geliermitteln verarbeitet, etwa zu Carrageen (E407, gesundheitlich umstritten) oder Agar-Agar (E406), die hierzulande auch als vegane Alternative zu Gelatine (aus dem Bindegewebe von Tieren) genutzt werden.
 

Text: Elisabeth Zoll

 
Wie die Seegras-Ernte genau funktioniert sowie weitere, spannende Fotos von den Frauen auf Sansibar, finden Sie im neuen Heft FOOD & FARM 5/17.

 
Food & Farm

Das Magazin für Selbstversorger und Genießer. Bei uns erfahren Sie alles rund um bewusste Ernährung, wir geben Tipps zum Gemüse- und Obstanbau im eigenen Garten, auf dem Acker oder Balkon und zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Ernte verarbeiten können. Obendrauf gibt’s kreative Rezepte und Anregungen für die eigene Küche. 

Unsere Themen im neuen Heft:

  • Hallo Dickkopf! Kürbisse pflanzen, ernten und einfach köstlich zubereiten
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