Jetzt reden wir: Was ist los mit unseren Hühnereiern? | Food & Farm
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Jetzt reden wir: Was ist los mit unseren Hühnereiern?

Moderation: Gerd Schild, Fotos: Conny Trumann 

Deutschland ist Hühnerland. Es gibt hier allein rund 40 Millionen Legehennen, die pro Jahr etwa zwölf Milliarden Eier legen. Im Sommer fanden Behörden in Eiern Rückstände des Insektengifts Fipronil, insbesondere bei Eiern aus den Niederlanden und Belgien. Reinigungsunternehmen hatten das Mittel unerlaubt in Hühnerställen eingesetzt.

 

Viele Verbraucher waren verunsichert. Und manche denken bei immer neuen Problemen mit Lebensmitteln: Was kann man eigentlich noch essen?

 

FOOD & FARM hat Petra Reinken und Henner Schönecke an einen Tisch gebrachtF+F_streitgespraech_170913_097

Beide kennen sich aus mit Hühnern und Eiern. Die freie Journalistin und Autorin Reinken hält im Garten selbst ein paar Hühner und interessiert sich seit Jahren privat für die Themen Lebensmittelerzeugung und alternative Haltungsformen. Landwirt und Kaufmann Schönecke setzt in seinem Betrieb mit 50 000 Legehennen auf konventionelle Methoden und will zeigen, dass er sich hinter Bio nicht verstecken muss.

 

Für das FOOD & FARM-Gespräch trafen sich die beiden auf dem Geflügelhof Schönecke in Neu Wulmstorf bei Hamburg

 

FOOD & FARM: Im Sommer hörtenVerbraucher zum ersten Mal von Fipronil – einem verbotenen, giftigen Insektizid, mit dem Hühnerställe gereinigt wurden. Sind dieVerursacher schwarze Schafe – oder liegt der Fehler im System der hochspezialisierten Landwirtschaft mit langen Lieferketten und hohem Preisdruck?

 

HENNER SCHÖNECKE: Hühnerhaltung ist heute weitgehend spezialisiert, das finde ich gut. Jemand, der sich jeden Tag um Hühner kümmert, macht das effizienter. Dennoch gibt es in der Landwirtschaft früher wie heute schwarze Schafe. In einer Produktion, die auf viele Zulieferer und Dienstleister angewiesen ist, wie etwa der Hühnerhaltung, haben kriminelle Machenschaften unkontrollierbare Folgen.

 

PETRA REINKEN: Ist es wirklich besser, wenn alles effizient ist? Die Tiere sind gefährdeter, wenn sie draußen leben, aber sie leben da, wo sie hingehören, sie können scharren, neugierig sein. Die Freilandhaltung, auf die wir hier bei Ihnen schauen, die gibt es nicht überall. Und auch bei Ihnen macht die nur einen Teil aus – weil sie nicht so effzient ist.

 

HENNER SCHÖNECKE: Ich sehe Effzienz als Fortschritt, wenn es dem Tier gut geht.

 

PETRA REINKEN: Es war ein langer Kampf, von den Käfighühnern wegzukommen – hätte es den Druck von den Verbrauchern nicht gegeben, der ja auch schließlich in Gesetze mündete, dann würde dieser Stall hier heute sicher anders aussehen.

 

HENNER SCHÖNECKE: Sie haben recht, bei Eiern haben sich die Bedingungen sehr stark gewandelt. Wir Deutschen haben aber immer noch Nachholbedarf, was die Wertschätzung von Lebensmitteln angeht.

 

PETRA REINKEN: Ich glaube, das liegt auch daran, dass kaum noch jemand weiß, wie Lebensmittel produziert werden. In diesem Stall leben 20 000 Tiere, das muss man sehen, um zu verstehen, was das bedeutet. Ich würde aber gern auf ein anderes Thema kommen. Für mich ist es ein Graus, Hühner zu töten, nur weil sie keine Eier mehr legen. Wie gehen Sie damit um?

 

HENNER SCHÖNECKE: Das Töten von Tieren ist eine Überwindung. Aber ich möchte von dem Tier Eier und Fleisch, deswegen muss das Tier dafür sterben. Wir schlachten hier nicht selbst, die Tiere gehen an einen Schlachtbe- trieb in Cuxhaven. Das Töten geschieht mit Maschinen. Die Tiere werden vorher betäubt. Aus dem Fleisch der Legehennen wird dann etwa Hühnerfrikassee hergestellt.

 

PETRA REINKEN: Ich stelle nicht den einzelnen Landwirt infrage, sondern das System, in dem diese Prozesse laufen. Ein System, in dem männliche Küken sofort nach dem Schlüpfen „um die Ecke gebracht werden“. Schieben Sie das weg aus Ihren Gedanken?

 

Henner Schöneckes Antwort auf diese und weitere Fragen lesen Sie im neuen FOOD&FARM-Heft. 

Food & Farm
Das Magazin für Selbstversorger und Genießer. Bei uns erfahren Sie alles rund um bewusste Ernährung, wir geben Tipps zum Gemüse- und Obstanbau im eigenen Garten, auf dem Acker oder Balkon und zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Ernte verarbeiten können. Obendrauf gibt’s kreative Rezepte und Anregungen für die eigene Küche.
Unsere Themen im neuen Heft:

• Trend Indoor-Märkte: Die besten Adressen in Europa
• Kann ich auch: Gekörnte Gemüsebrühe ganz einfach selbst machen
• Schön warm! Das beste Holz für Kamin, Feuerschale und Ofen + DIY Anzünder
• Aromatischer Advent: So wachsen Weihnachtsgewürze im Topf