Jäger der verlorenen Schätze | Food & Farm
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Jäger der verlorenen Schätze

Text: Christiane Hüneke-Thielemann 

Es ist ein nasskalter Novembertag – die meisten Gemüsebauern haben längst ihre Beete winterfest gemacht, doch bei Familie Seibold wird noch geerntet. Kisten mit Minipastinaken, frisch geerntetem Knollenziest und knackigen Klettenwurzeln stehen zum Expressversand bereit: „Die gehen nach Oberstdorf zum Sternekoch Tobias Eisele“, sagt Marko Seibold.

In diesen Beeten leuchtet es in allen Farben

Seit 14 Jahren lebt der Schwabe in Niedersachsen und hat sich mit seinen biologischen Gemüse- und Kräuterspezialitäten einen Namen in der gehobenen Gastronomie gemacht. Der 45-Jährige setzt auf Vielfalt bei Sorten, Farben und Aroma. Im Sommer erntet er Raritäten wie weiße Erdbeeren oder lilafarbenen Purpurmais, und ausgefallen bleibt es auch im Herbst.

Er zeigt auf ein Blatt, so schön wie ein Kunstwerk: „Roter Spitzkohl – schmeckt nicht nur gut, sieht auch toll aus.“ Daneben wächst Mangold in Sattgelb und Magentarot. Die Karotte ‘Ochsenherz’ gleicht aufgeschnitten einem Natur-Mandala, kugelrunde ‘Pariser Markt’-Möhren, ‘Grünköp ge Riesen’ und violett-weiße Rüben namens ‘Ulmer Ochsenhorn’, ‘Goldball’ oder ‘Bortfelder Gelbe’ bringen Abwechslung auf den Teller. Viele Sorten hier auf dem Acker waren lange in Vergessenheit geraten, quasi vom Aussterben bedroht. Seibold hat sie gerettet.

Seibold ist gelernter Kommunikationselektroniker

Begonnen hat sein Faible für alte Sorten und Kräuter auf der Schwäbischen Alb. Dort leistete der gelernte Kommunikationselektroniker einst seinen Zivildienst in einer Demeter-Gärtnerei mit angeschlossener sozialtherapeutischer Arbeit. „Und da habe ich dann mal genauer nachgeschaut, woher so alte Sorten wie ‘Erfurter Zwerg’ oder ‘Neckarperle’ kommen.“

Rote Bete zum Beispiel sei nicht immer rot gewesen, es gibt bunte und geringelte Sorten mit hochgesunden Inhaltsstoffen. Vielfalt habe es auch immer bei Karotten gegeben, das Einheitsorange habe man den Züchtungen der Niederländer zu verdanken, weiß Seibold.

Wo Bauer Seibold sein Saatgut bezieht und wie sein buntes Erntejahr genau aussieht, erfahren Sie in der neuen FOOD & FARM.