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Schwarzes Gold: So wächst Vanille

Text: Frauke Döhring

Ah, da ist wieder eine Vanilleblüte! Behutsam bahnt sich die junge Frau ihren Weg durch dichtes Blättergrün, betastet die Blüte, hebt sie vorsichtig an und trägt mit einem Holzstäbchen den Pollen auf den Stempel auf. Dann drückt sie die Blüte kurz zusammen, fertig. Auf zur nächsten Blüte.

Zu Besuch im Nordosten von Madagaskar im Indischen Ozean. Rund 80 Prozent der weltweit produziertenVanille werden hier aufgrund des idealen Klimas in der Region Sava auf Zigtausend kleinen Plantagen angebaut und exportiert, bis zu 1200 Tonnen pro Jahr. Die Vanillebauern und ihre Familien leben in Hütten, meist ohne Strom, nur wenige haben Solarzellen auf dem Dach. Denn trotz der auf demWeltmarkt teuer gehandelten Vanille zählt die Insel mit ihren etwa 24 Millionen Einwohnern zu den ärmsten Ländern. Ein Paradox. Wie auch die künstliche Befruchtung der Vanille- Orchidee.

 

Es gibt keine passenden Bienen und Insekten zum Bestäuben

 

Es gibt hier keine passenden Bienen oder Insekten, um die Blüten der Pflanze zu bestäuben. Ein Erbe der Kolonialzeit – ursprünglich wuchs die Vanille in Mexiko, wo heimische Bienen und Kolibris sie befruchteten. Die Franzosen, die lange auf Madagaskar herrschten, brachten die Pflanzen aus Lateinamerika mit, aber ohne die kleinen Bestäuber.

„Die Vanille ist ein Produkt, das viel Zuwendung braucht. Zuerst kommt die knifflige Bestäubung und nach der Ernte noch ein langer Reifeprozess“, erklärt Matthias Gärtner, Geschäftsführer von Biovegan. Das 1986 gegründete Unternehmen mit Sitz imWesterwald ist Hersteller von veganen Koch-, Back- und Dessertzutaten. Gemeinsam mit seiner Frau Nicol leitet Gärtner die Firma mit heute 60 Mitarbeitern. Biovegan ist inzwischen der größte Biovanille-Importeur Deutschlands: „Für 2018 rechnen wir mit 13 Tonnen.“

Vier- bis sechsmal im Jahr ist der 62-Jährige auf Madagaskar und besucht die Plantagen der mehr als 1000 Biobauern, mit denen Biovegan seit 2015 exklusiv kooperiert. Und jedes Mal ist es ein Abenteuer, viele Wege sind nur per Jeep befahrbar. Aber der Einsatz lohnt. „Früher lief alles über Zwischenhändler“, sagt Gärtner. „Das war immer unsicher. Deshalb haben wir den direkten Kontakt zu den Biokooperativen aufgebaut. Wir müssen wissen, dass unsere Vanille sauber und ökologisch einwandfrei produziert wird und wünschen uns langfristige Beziehungen.“

 

Eine Pflanze trägt bis zu zehn Blüten, aus denen später Schoten wachsen

 

Gegenseitiges Vertrauen aufzubauen sei das Wichtigste: „Wir zeigen den Bauern daher auch die fertigen Produkte“, erzählt er. Viele hätten so das erste Mal in ihrem Leben Vanillezucker probiert oder Pudding gegessen – und waren erstaunt und angetan.

Ein klassischer Vanillebauer auf Madagaskar bewirtschaftet etwa ein Hektar Land mit circa 2500 Pflanzen. Die Gewächse aus der Familie der Orchideen brauchen einen Wirtsbaum, an dem sie sich als Lianen hochranken können. Erst nach drei Jahren entwickeln sich erstmals Blüten. Eine Pflanze kann bis zu zehn Blüten tragen, aus der später Schoten wachsen.

 

Wie genau die Ernte und der aufwendige Trocknungsprozess hinterher funktioniert, steht in der neuen FOOD&FARM.