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Eine Rarität: Linsen aus Deutschland

Bowls of cereal grains: red lentils, green mung, corn, beans and peas on wooden kitchen table. Selective focus.

Bowls of cereal grains: red lentils, green mung, corn, beans and peas on wooden kitchen table. Selective focus.

Linsen aus Deutschland sind eine Rarität. Der Grund dafür liegt in verschiedenen Schwierigkeiten beim Anbau der Kulturpflanze – von der Aussaat bis zur Ernte, erklärt Slow Food Deutschland e.V. Einer der wenigen deutschen Bio-Landwirte, der mit der Leguminose Linse in einem bodenschonenden Fruchtfolgensystem arbeitet, ist Diplom-Agraringenieur Stefan Schmutz im oberbayerischen Chiemgau. Slow Food Deutschland besuchte ihn auf seinem Hof in der Veranstaltungsreihe „Wurzeltour„. Man wollte im Internationalen UN-Jahr der Hülsenfrüchte am Ort des Ursprungs des Lebensmittels Linse mehr erfahren.

 

Lein, Buchweizen, Roggen und Co.

Auf den Feldern des Bio-Hofs Chiemgaukorn wachsen die Getreidearten Weizen, Roggen, Ur-Dinkel, Braunhirse, Hafer, Einkorn und Emmer. Dabei wechselt der Anbau von Getreide mit dem Anbau von Leguminosen, also Hülsenfrüchten, zum Beispiel Linsen, Erbsen, Bohnen oder Klee, und anderen Fruchtarten wie Lein oder Buchweizen ab.

Naturland-Bauer Stefan Schmutz erläuterte seine Anbau-Philosophie: „Wir begreifen den Boden als Organismus und unser wichtigstes Kapital. Das Anbausystem des Chiemgaukorn-Hofs besteht deshalb in einer besonders bodenschonenden Bewirtschaftung durch die Entwicklung von naturnahen Anbausystemen bzw. Pflanzengesellschaften, ähnlich den natürlichen Pflanzenmischungen in Wald und Wiese. Wir setzen außerdem auf Vielfalt – bis zu 20 verschiedene Kulturpflanzen wachsen bei uns auf den Feldern – auf Mischkulturen, ausgewogene Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte und Untersaaten und den gezielten Anbau von Leguminosen, um den Boden nicht zu ermüden und natürlicherweise mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.“

 

Linsen: Jahrtausendealtes, wertvolles Nahrungsmittel

Der Chiemgaukorn-Hof experimentiert seit 2009 mit verschiedenen Linsenarten. „Die Linse ist ein jahrtausendealtes wertvolles Nahrungsmittel, sie liefert wichtiges Eiweiß und passt gut als Ergänzung in unser Getreide- und Öl-Sortiment, das auch auf die menschliche Ernährung zugeschnitten ist. Am besten schmeckt uns selbst die Beluga-Linse, die wir jetzt anbauen“, sagt Julia Reimann, Lebenspartnerin von Stefan Schmutz und ebenfalls Diplom-Landwirtin.

Slow-Food-Vorstand Ebner wies in diesem Zusammenhang auch auf die kulturelle Bedeutung der Linse hin: „Sie ist völkerverbindend. Denn die Linse ist ein Nahrungsmittel, das nicht nur bei uns eine sehr lange Tradition hat, sondern auch in den Küchen anderer Kulturen dieser Welt, so auch bei vielen Menschen, die zur Zeit bei uns Schutz suchen. Aber die Linse macht es dem Landwirt nicht einfach. Sie kann zwar auf Böden mit geringer natürlicher Ertragskraft angebaut werden, ist aber wenig standfest, konkurrenzschwach und ertragsarm.“

 

Wildkräuter und Linsen: Eine Freude für die Bienen

Über die bei den Linsen hervorragend gedeihenden Ackerwildkräuter freuten sich viele blütenbesuchende Insekten, aber der Landwirt habe auf der Fläche dann noch mehrere Jahre mit ihnen zu kämpfen. Sie führen außerdem zu Verlusten bei der Erntemenge, da die Linsenkörner im Mähdrescher an der feuchten Biomasse kleben bleiben. Auch wenn laut Schmutz die Ackerbohne ein Kinderspiel wäre im Vergleich zur Linse, möchte er an der Linse festhalten: „Sie ist eine tolle Frucht. Sie schmeckt gut, ist gesund und bringt auch noch etwas für die Bodengesundheit. Wir wollen das anbauen und wachsen sehen, was wir auch selbst essen.“

Quelle: Slow Food Deutschland e.V. / Foto: iStock