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Ölympiade: Acht Olivenöle im großen Expertentest

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Nativ extra, erste Güteklasse – mit diesem Prädikat schmücken sich viele Olivenöle. Doch halten sie auch wirklich, was ihr Etikett verspricht? Bei unserem Test am Start: Acht vermeintliche Spitzenprodukte aus dem Supermarkt – welches macht das Rennen?

→ Der große FOOD & FARM-Expertencheck

Carolin Nuscheler (Text)
Catrin Goebels (Fotos)

Es gibt Hunderte verschiedener Olivensorten, jede ist anders. Aber auch Klima, Boden und nicht zuletzt die Verarbeitung der grünen Baumfrüchte sind ausschlaggebend für Geschmack und Aroma eines Olivenöls. Wie soll derVerbraucher da ein gutes Produkt erkennen?

Orientierung sollen die Bezeichnungen „nativ“ („naturbelassen“, also ausschließlich durch mechanische Verfahren wie Kaltextraktion gewonnen) und „nativ extra“ geben. Letzteres will zusätzlich sagen, das Öl besitzt keinerlei Fehlnoten aufgrund von Fehlern bei Ernte und Verarbeitung und weist einen Säuregehalt von nur maximal 0,8 Prozent auf. Erste Güteklasse also. Doch kann man sich auf dieses Prädikat verlassen?

Fermentationsnoten, Produktionsrückstände, Ranzigkeit

Nein, sagt Experte Heiko Schmidt. Im Supermarkt gäbe es so einige Tropfen, die dasVersprechen „nativ extra“ keineswegs halten. Fermentationsnoten wegen Lagerung vor der Verarbeitung und ausbleibender Filterung, übel schmeckende Produktionsrückstände, Ranzigkeit – der Olivenölkenner aus dem Württembergischen ist immer wieder entsetzt, welche Defekte er aus der goldgelben Flüssigkeit in seinem blauen Probierglas herausschmecken und -schnuppern kann.

Klar, je später der Erntezeitpunkt der Oliven, desto höher Ertrag und Gewinn des Erzeugers. Gleichzeitig steigt die Gefahr von Überreife. Gutes Olivenöl hat daher seinen Preis. Das ergab auch unser Test, bei dem Schmidt acht Supermarktöle nach der Harmonie zwischen Schärfe, Bitterkeit und Fruchtigkeit bewertete.

Das ist der Experte:

Heiko Schmidt (51) ist professioneller Olivenöl-Verkoster. Der Mann aus Fellbach bei Stuttgart hat das sogar studiert. Und zwar in Spanien, als erster und einziger Deutscher. Nun sitzt er in diversen Jurys und bewertet Öle aus aller Welt. Die besten vertreibt er auf www.olivenoele.com

Bertolli

Laut Etikett: Olio Extra Vergine Di Oliva, Originale, kalt gewonnen, Natives Olivenöl extra aus der Europäischen Union, abgefüllt in Italien.

500 ml, 5,69 Euro (Karstadt)

• GERUCH: „Riecht kaum, ich muss das Glas ganz zur Nase führen. Insgesamt eher reif fruchtig.“

• GESCHMACK: „Dieses Öl hat eine Fehlnote, wieder ist es Fermentation. Allerdings nur sehr dezent und kaum genau zu benennen. Das ist auch der Grund, warum es sicher durch verschiedene Tests durchkommt. Ein gutes Produkt ist es deshalb aber nicht.“

• FAZIT: „Die ganze Aufmachung ist irreführend. Das Etikett erweckt den Anschein eines italienischen Produkts. Das ist aber eher nicht der Fall. Beim genaueren Hinsehen erfährt man nur, dass die Oliven aus der EU kommen. Ich bin mir fast sicher, es handelt sich hauptsächlich um portugiesische Ernte. Dieses Öl wird aus Ölen verschiedener Länder zusammengeschüttet. Kein Qualitätsmerkmal. Dies ist kein Öl, das ich empfehlen würde.“

Rapunzel 

Laut Etikett: Olivenöl nativ extra, fruchtig, aus sonnengereiften, italienischen Oliven gewonnen, überzeugt durch fruchtiges Aroma, passend zu Salaten, mediterranen Gerichten wie Pasta oder Antipasti, es eignet sich zum Dünsten und Braten. Die Oliven werden unmittelbar nach der Ernte verlesen, gewaschen und schonend gepresst.

500 ml, 6,99 Euro (Vollcorner)

• GERUCH: „Sehr mild, etwas strohig, aber da ist noch mehr. Es riecht nach reifen Früchten, auf jeden Fall ein etwas intensiveres Öl als die meisten anderen im Test.“

• GESCHMACK: „Sehr reife, süßliche Noten, es kommt der feine Ge- schmack einer reifen Banane durch, andere Früchte kann ich aber nicht benennen, im Ab- gang kommt feine Schärfe.“

• FAZIT: „Der Geruch ist sehr zurückhaltend, dafür ist es geschmacklich intensiv. Dadurch muss ich das Öl leider als unharmonisch, nicht ausbalanciert bezeichnen. Es darf sich aber nativ extra nennen, weil es keinerlei Defekt hat.“

Mestral

Laut Etikett: Extra Virgin Olive Oil, 100 Prozent Arbequina (Olivensorte), Katalonien, Spanien, kalt extrahiert.

500 ml, 9,99 Euro (Karstadt Feinkost)

• GERUCH: „Auch dieses Öl riecht erst spät, es ist sehr mild, hat eine reife Charakteristik. Man hat vorwiegend reife Tomate in der Nase, eine angenehm leichte Fruchtigkeit, sehr ausgewogen.“

• GESCHMACK: „Sanft und angenehm im Mund, fruchtig, ich schmecke auch leichte Schärfenoten. Insgesamt ein sehr harmonisches Produkt.“

• FAZIT: „Ich kenne diese Olive gut – wenn das Öl noch etwas frischer ist, kommen noch tolle Aromen von reifem Apfel und Banane durch. Diese Noten verfliegen aber über die Monate, dieses Öl ist nun genau ein Jahr alt. Wer den besonderen Geschmack mal erleben will, sollte es ganz frisch nach dem Abfüllen kaufen. Es schmeckt toll zu Salaten, man kann aber auch damit kochen und vor allem braten. Dieses Öl ist ein absoluter Allrounder. Ich würde es durchaus empfehlen!“

Welches Öl Testsieger war und welche Kandidaten unserem Experten überhaupt nicht geschmeckt haben, lesen Sie in der neuen FOOD & FARM.