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So wächst Schokolade – ein Plantagenbesuch in Indonesien

Kakaobauer Wilman Sirait öffnet die Kakaofrucht und entnimmt die Kakaobohnen zur Weiterverarbeitung, aufgenommen am 21.10.2015 in Urukblin
, Nordsumatra

Kakaobauer Wilman Sirait öffnet die Kakaofrucht und entnimmt die Kakaobohnen zur Weiterverarbeitung, aufgenommen am 21.10.2015 in Urukblin , Nordsumatra

Text: Ute Dilg
Fotos: Uta Wagner 

Es ist früh am Morgen. Wilman Sirait schiebt die Schubkarre unter die herabhängenden Äste der Kakaobäume. In der Haupterntezeit im Oktober und November geht er alle zwei Wochen auf sein Feld, um die reifen Früchte zu ernten. Vorsichtig greift er nach einer länglichen, sonnengelben Frucht und schlägt sie mit einer Machete am Strunk ab. Wieder und wieder führt er die gleiche Bewegung aus. Zwischendurch richtet er sich auf, schiebt seinen ledernen Hut nach hinten und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Viele Stunden geht das so.

Der Kakaobauer erntet nur Biofrüchte

Erst am späten Nachmittag kommt seine Frau von der Arbeit zurück. Sie ist Sekretärin im Rathaus. Ein willkommenes Zusatzeinkommen für die sechsköpfige Familie. Doch die Feldarbeit bleibt deshalb meist an Sirait hängen. „Zum Glück ist mein Feld nicht weit von meinem Haus entfernt“, sagt er etwas außer Atem, als er am Abend die volle Schubkarre den steilen Weg zum Dorf hinaufschiebt.

So wie Wilman Sirait verkaufen viele Kakaobauern ihre Ernte später auf dem Markt in Parongil, einem kleinen Dorf in der Region Dairi in Nord-Sumatra. Für seine 22 Kilo Kakaobohnen hat Wilman Sirait rund 200 Kakaofrüchte geerntet. Biofrüchte, wie der Bauer stolz betont. Sein Wissen über den biologischen Anbau hat Sirait bei PETRASA erworben, einer Partnerorganisation von Brot für die Welt.

Eine Organisation unterstützt die Öko-Kakaobauern 

Seit 2001 unterstützt die Organisation Bauernfamilien vor Ort. So haben sich mittlerweile 120 Spar- und Kreditgruppen mit über 5000 Mitgliedern zusammengeschlossen. Die Mitglieder sparen gemeinsam und geben sich gegenseitig Kredite zu einem sehr niedrigen Zinssatz. Das macht sie unabhängig von Banken oder kommerziellen Geldverleihern.

Regelmäßig besuchen PETRASA-Mitarbeiter die Gruppen, unterstützen sie bei der Buchhaltung und zeigen ihnen, wie sie ihre Anbaumethoden verbessern können. „Viele Bauern wissen wenig über nachhaltige Landwirtschaft“, sagt Lidia Naibaho, die Direktorin von PETRASA. „Deshalb ist es eine unserer Kernaufgaben, dass wir sie in ökologischen Anbaumethoden schulen. Damit die Menschen gesund bleiben und die Natur schonen.“

Chemische Dünger haben Flächen unbrauchbar gemacht

 

Wilman Sirait ist 2007 zur Spar- und Kreditgruppe in seinem Dorf gestoßen. Seitdem hat der 48-Jährige viel über ökologischen Landbau gelernt. „Meine Felder waren früher steinhart“, erzählt er. Ursache waren die Ölpalmen, die auf dem Acker standen, und der chemische Dünger, den er wie viele Kleinbauern verwendete. Heute ragen nur noch die kahlen Stümpfe einiger Palmen in den Himmel. Darunter wachsen junge Kakaobäume und Papayasetzlinge.

„Ich dünge nur noch mit Kompost“, sagt Sirait und lässt lockere Erde durch die Finger rieseln. „Es gibt wieder viele Würmer. Das zeigt, dass der Boden gesund ist.“ Den Kompost stellt er selbst her. Grundlage ist der Mist seiner Schweine. Zweimal im Jahr, im August und im Februar, verteilt er den Kompost unter den Kakaopflanzen. Auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet er.

Viele der Kakaobauern haben nicht mehr als einen Hektar Land zur Verfügung. Darauf wachsen neben Kakaosträuchern oft noch Reis, Mais, Chilischoten sowie Papayastauden für den eigenen Bedarf. Der Kakao ist für die Familien allerdings die wichtigste Einnahmequelle. Und wenn die Ernte mal nicht so gut ausfällt, sind sie auf ihre Spar- und Kreditgruppen angewiesen, die das Schlimmste abfedern können. Wilman Sirait hält eine grüne Frucht hoch, die von unten her schwarz angelaufen ist. „Das kommt von der Vulkanasche“, sagt er. Seit über zwei Jahren spuckt der nahe Vulkan Sinabung immer wieder Aschewolken aus, die die Pflanzen schädigen.

Mit welchen Schwierigkeiten es die Kakaobauern in Indonesien noch zu tun haben und wie ihr Erntetag zu Ende geht, lesen Sie in der neuen FOOD & FARM.