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Wirsing, Grünkohl, Rosenkohl – so wachsen Vitamine im Winter

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Text: Frauke Döhring 
Fotos: Conny Trumann

 

Der Frühnebel schwebt über dem Boden, taucht die hügelige Landschaft an der Ostsee in diffuses Licht. Es ist acht Uhr morgens, ein Dienstag im Januar, hier im Norden werden die Tage nur langsam heller. Doch auf dem Biolandhof Großholz bei Eckernförde in Holstein herrscht reges Treiben.

Eingepackt in Jacken, Pullover, Schals und Gummistiefel stehen die Mitarbeiter und Saisonkräfte in einer Runde beisammen. Wie jeden Morgen wird besprochen, welche Gemüsesorten heute geerntet werden, damit sie morgen knackfrisch am Marktstand sind.

Die leeren Gemüsekisten füllen sich schnell

 

Sortenauswahl und Mengen hat Kristin Kimpel festgelegt. Die Gemüsebau-Gärtnerin arbeitet auf dem Hof als Marktleiterin und erstellt tägliche Listen zum Erntebedarf. Schnell verteilt sie die Kopien. Dann starten die überwiegend jungen Leute – fünf sind hier in der Ausbildung – mit Traktor und Anhänger zu den Feldern.

Es sind eingespielte Abläufe ohne viele Worte. Auf dem Anhänger stapeln sich leere Kisten, die nach und nach gefüllt werden. Porree, Mangold, Fenchel, Spinat, Salat, Kräuter und natürlich das klassische Saisongemüse: Kohl in allen Variationen!

Es gibt ein komplexes Vertriebssystem

 

Auf 26 Hektar Anbaufläche produziert der Biohof eine erstaunliche Vielfalt, etwa sechs Tonnen täglich im Sommer, jetzt immerhin noch drei. Unter den mehr als hundert Kulturarten finden sich Raritäten wie Gelbe Bete und Schwarzkohl. Nach der Saat wird jedes Pflänzchen wochenlang gehackt und gehäufelt, bis es stark genug ist, im Freiland oder unter Glas allein weiter zu wachsen.

Hofbesitzer Gerd Boll hat im Lauf der Jahre ein komplexes Logistiksystem und Vertriebsnetz aufgebaut. Arbeitsabläufe, saisonale Reife- und Erntezeiten, Wetterprognosen und Kundenwünsche, alles fließt da mit ein.

An fünf Tagen der Woche ist das frische, vorgewaschene Biogemüse auf drei Märkten in Kiel, Eckernförde und Altenholz erhältlich, freitags auch im eigenen Hofladen. Ferner kooperiert der Landwirt mit einem Biogroßhandel, der Bioläden beliefert.

Nur Kleegras und Kompost als Dünger auf dem Feld

„Das geht alles Hand in Hand“, sagt Boll. 1999 hat der heute 57-Jährige den Betrieb auf Bio umgestellt, als Hoferbe in sechster Generation. Damals war er Biopionier; heute freut er sich über den Trend zu gesunder Ernährung, über „begeisterten Zuspruch und das Vertrauen meiner Kunden“.

Nur Kleegras und Kompost werden als Dünger verwendet. Für gesunde, unverdichtete Böden kommen sechs Norweger als Arbeitspferde zum Einsatz – wie früher.

Von Oktober bis Ende Februar sind Wirsing, Rosenkohl und Grünkohl der Renner, erzählt Lukas Plagemann. Der 26-Jährige hat sich nach einem Mechatronic-Studium noch für eine zweite Ausbildung zum Demeter-Landwirt entschieden, im nächsten Jahr wird er abschließen.

Ihn begeistert das Arbeiten in und mit der Natur. Kundig inspiziert er die Pflanzreihen, schneidet die reifen Wirsingköpfe mit dem Messer vom Strunk, entfernt die äußeren Blätter. Wirsing wird hier im Lauf der Saison in bis zu fünf Sätzen gepflanzt und geerntet, je nach Nachfrage.

Wirsing, Grünkohl, Schwarzkohl – die Renner im Winter

 

Etwas weiter steht auch der Grünkohl in voller Pracht. Im Mai ausgesät, im Juni gepflanzt, entwickelt die Pflanze den Sommer über ihren hochwachsenden Hauptstamm. Zur Ernte ab Mitte Oktober bis Januar muss man die Kohlblätter davon abziehen, in der Fachsprache: abstrippeln.

Zur sortenreichen Grünkohlfamilie zählt auch der seltene Schwarzkohl. „Unsere Sorte stammt aus der Toskana und schmeckt schön nussig“, erläutert Boll. Kreuz und quer ragen die Schwarzkohlstängel in die Luft und erinnern fast an kleine Palmen.

Was auf dem Biolandhof Großholz noch angebaut wird und wie der Erntetag zu Ende gegangen ist,  erfahren Sie in der neuen FOOD & FARM. Außerdem: So bauen Sie Wirsing, Grünkohl und Rosenkohl selbst an!