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Her mit dem jungen Gemüse

Frühlingszwiebel
Text: Frauke Döhring

Die Vögel zwitschern, das erste Grün sprießt aus der Erde. Aber Rainer Holst, Leiter der Demeter-Gärtnerei von Hof Medewege in Schwerin, hat keine Zeit, länger in der Sonne zu sitzen. Eilig überquert der schlanke Mittfünfziger den Hof, den obligatorischen Hut auf dem Kopf. Die letzten Monate waren hart, erzählt er.

Vieles sei liegen geblieben, weil es Tag für Tag regnete, oft auch stürmte. Pflügen? Kaum dran zu denken, die ohnehin schweren Böden der Seenlandschaft waren matschig und vollgesogen, nur unter Folie wäre es gelungen, das Junggemüse aufzupäppeln. Rainer Holst freut sich über sonnige Tage wie diesen. Immerhin, die roten Frühlingszwiebeln, eines der Spitzenprodukte des Hofes, haben sie „im Tunnel“ hochziehen können, knackig und frisch, auch Radieschen, Kräuter, Spinat und Asia-Salate.

Der Hof liegt wie ein Schmuckstück in der Landschaft

Wie ein Schmuckstück liegt Hof Medewege in der zunehmend wärmenden Aprilsonne, Besucher sitzen vor dem Hofcafé, schauen sich um. Es ist ein besonderer Ort, das merkt jeder, der das Terrain betritt. Liebevoll restauriert, bilden das an die 190 Jahre alte Gutshaus und der ehemalige Pferdestall, der 2014 zu Feriendomizilen umgebaut wurde, das Zentrum des Hofes. Drum herum Park und Wiesen, Beete, Gewächshäuser, Kräuter- und Blumengarten. Über den Hof mit Spiel- und Grillplatz und die umliegenden Felder fällt der Blick auf den Medeweger See.

Zu DDR-Zeiten war der Hof VEG: Volkseigenes Gut, später dann LPG: Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft. Mit der Wende war damit Schluss, die Häuser waren teils noch be- wohnt, aber halb verfallen. Doch das ist Vergangenheit. Hof Medewege oriert, umfasst heute 350 Hektar Land, bietet 140 Menschen Arbeit und Perspektive, die Hälfte davon leben mit ihrer Familie direkt auf dem Hof. Es ist eine über Jahre gewachsene Gemeinschaft von Initiativen und Betrieben.

Begonnen hat alles Anfang der 90er-Jahre: Auf der Suche nach Räumen für einen Kindergarten mit angrenzendem Land entdeckte der Schweriner Waldorfverein den Hof. Handwerker und Künstler, Biobauern und Pädagogen klinkten sich nach und nach ein, ein Kulturverein entstand, Nutzungsverträge wurden abgeschlossen, die zehn Jahre später in feste Kauf- und Pachtverträge umgewandelt werden konnten.

Der Hof ist ein Demeter-Demonstrationsbetrieben 

Heute sind die einzelnen Betriebe des Hofes vernetzt, arbeiten aber jeder für sich autonom. Alle landwirtschaftlich produzierenden und verarbeitenden Betriebe gehören zum Demeter-Verband: Ackerbau, Viehzucht, Gärtnerei, Obstbau, Imkerei und die Mühlenbäckerei. Seit 2015 ist der Hof einer von fünf Demeter-Demonstrationsbetrieben in Mecklenburg-Vorpommern.

Rainer Holst kam im Jahr 2000 dazu. Er erweiterte einen bestehenden kleinen Gemüseanbau zur umfassenden Gärtnerei – auf zwölf Hektar baut er heute gut 30 Gemüsearten, Kräuter und auch Blumen an. Schon im März beginnt die erste Ernte, Lauchzwiebeln, Radieschen und schnell wachsende Blattsalate, ideal für die Mischsalate, die sie im Hofladen verkaufen, natürlich unverpackt, um Müll zu vermeiden. Im April folgen dann Mangold, Rote Bete, Spinat, auch Früh- kartoffeln.

 

Auf was der Gärtnereibetrieb besonderen Wert legt und wie die Ernte genau abläuft, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe von FOOD & FARM.