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Guter Wolf, böser Wolf?
21. Februar 2018
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21. Februar 2018

Guter Wolf, böser Wolf?

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Moderation: Rouven Zietz

Die ersten Wolfswelpen wurden im Jahr 2000 in der Oberlausitz, Sachsen, geboren. Die Eltern der Jungtiere wanderten zuvor aus Polen ein. Bis dahin waren Wölfe für 150 Jahre aus Deutschland verschwunden. Existenzängste, Aberglaube und Futterkonkurrenz nach den Kriegen führten zu ihrer fast vollständigen Ausrottung.

60 registrierte Rudel im Bundesgebiet

2017 registrierten die Naturschutzämter wieder 60 Wolfsrudel. Die meisten Wolfsterritorien befinden sich in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Das Bundesnaturschutzgesetz verpflichtet die Behörden, den Wolf zu schützen. Das heißt, ein Wolf kann nur in strengen Ausnahmefällen von einem Jäger geschossen werden, etwa wenn das Raubtier nachweislich eine Gefahr für den Menschen darstellt.

Reißt ein Wolf ein Schaf oder ein Kalb, steht dem Landwirt eine Entschädigung zu. Schäfer und andere Tierhalter in den betroffenen Regionen sind mit dieser Regelung aber nicht einverstanden. Der Wolf in ihrer Nachbarschaft bedeutet für sie steigende Kosten durch neue Schutzzäune und Kosten für die Betreuung von Herdenschutztieren. Zusätzlich sorgen sie sich um das Wohl ihrer Tiere.

FOOD & FARM hat zwei Menschen getroffen, in deren Leben der Wolf eine bedeutende Rolle einnimmt:

• Gerd Jahnke aus Eimke, Niedersachsen, ist Schäfer von 3000 Tieren an verschiedenen Standorten. Ihm wurden bereits Dutzende Schafe und Lämmer vom Wolf gerissen.

• Seeben Arjes ist Wolfsberater im Landkreis Uelzen, Niedersachsen. Macht ein Wolf Ärger, wird der ehemalige Förster gerufen.

Das Gespräch fand in der Schäferei von Gerd Jahnke statt.

 

FOOD & FARM: Herr Jahnke, im Märchen übernimmt derWolf die Rolle des Bösewichts. Einige Schafe aus Ihrer Herde haben die Begegnung mit demWildtier nicht überlebt.Würden Sie sich wünschen, dass der Wolf wieder aus Ihrem Leben verschwindet?

GERD JAHNKE: Da mache ich mir keine falschen Hoffnungen. Die Wölfe werden nicht wieder verschwinden. Wir werden auch noch in einigen Jahren mit ihnen zu tun haben. Das ist auch in Ordnung, solange sie friedlich sind. Was mich ärgert, ist das Verhalten der Politiker bei diesem Thema. Es kann nicht sein, dass Hobbyschäfer ihre erhöhten Schutzmaßnahmen nicht erstattet bekommen. Die wenigen Schäfer, die es noch gibt, leisten unter anderem einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege. Die Politik sollte uns nicht alleine lassen und uns im Fall der Wölfe den Rücken stärken.

FOOD & FARM: Welche Maßnahme schlagen Sie vor, damit Ihre Berufskollegen und Sie sich besser geschützt fühlen?

GERD JAHNKE: Dort, wo die Wölfe immer wieder Kälber, Damwild und Schafe angreifen und verletzen, sollten einzelne Wölfe gezielt durch einen Jäger getötet werden. Es geht auch darum, die Wölfe zu schützen, die das nicht machen. So ließe sich eine höhere Akzeptanz für die Wölfe in der Bevölkerung aufbauen.

FOOD & FARM: Herr Arjes, Sie sind Wolfsberater und klären in Vorträgen über das Verhalten der zurückgekehrten Wildtiere abseits der Mythen auf. Können Sie die Situation von Herrn Jahnke überhaupt nachvollziehen?

SEEBEN ARJES: Sicherlich kann ich die Situation von Herrn Jahnke und seinen Berufskollegen verstehen. Trotzdem ziehe ich daraus andere Schlüsse: Hier geht es um die Einzelinteressen einer Berufsgruppe gegenüber dem gesamtgesellschaftlichen Interesse am übergeordneten Naturschutz. Ich bin der Meinung, dass Zweiteres hier Vorrang hat. Selbstverständlich sollte der Staat Herrn Jahnke und anderen Schäfern aber für eine gewisse Übergangszeit finanziell helfen.

GERD JAHNKE: Was meinen Sie mit „für eine gewisse Übergangszeit“? Ich glaube nicht, dass wir in fünf oder zehn Jahren das Thema vom Tisch haben.

„Einzelne Wölfe abzuschießen, ist keine Lösung!“

SEEBEN ARJES: Ich möchte das nicht auf eine Jahreszahl herunterbrechen. Es sollte so lange gehen, bis sich die landwirtschaftliche Tierhaltung und die Wölfe ein wenig aneinander gewöhnt haben. In vielen europäischen Ländern wie etwa Polen leben die Wölfe in ihren Territorien, und es gibt kaum Probleme mit der Landwirtschaft. Einzelne Wölfe abzuschießen ist keine gute Lösung. Es sollte verboten bleiben.

GERD JAHNKE: Meine Lämmer und Schafe werden sich nie an den Wolf gewöhnen. Das ist ausgeschlossen. Ich glaube nicht, dass wir mit Ihrem Ansatz weiterkommen.

SEEBEN ARJES: Zugegeben, bei Schafen ist das schwierig, die können sich gegen Wölfe nicht zur Wehr setzen. Aber in der Rinderhaltung sieht das schon anders aus, sofern in der Herde ein Bulle integriert ist und die Kühe die Hörner nicht entfernt bekommen. Dann sind die Tiere Wolfsangriffen sehr wohl gewachsen.

GERD JAHNKE: Das mag im Einzelfall funktionieren, aber es überzeugt mich nicht. Ich befürchte, dass die Politik erst handelt, wenn die Wölfe sich bereits stark verbreitet haben. Langfristig kann nur eine Regulierung durch den Menschen dort für Ordnung sorgen, wo der Wolf Schaden anrichtet.

SEEBEN ARJES: Wie viele Wölfe in einem Territorium leben, ist vorhersehbar. In einem Rudel befinden sich maximal bis zu zehn Tieren. Da Wölfe monogam leben, müssen die Jungtiere das Rudel verlassen und sich einen neuen Lebensraum suchen. In Deutschland könnten bei einer maximalen Verbreitung bis zu 400 Rudel entstehen, ohne dabei zur Plage zu werden. Im Gegenteil: Die Wölfe sorgen in der Natur für mehr Gleichgewicht, schließlich stehen Rehe und Wildschweine auf ihrem Speiseplan.

GERD JAHNKE: Leider nicht nur die Waldtiere: Auch unsere Schafe gehören zu seiner Nahrungsquelle. Wir sind hier in Eimke bereits von fünf Wolfsrudeln umgeben. Ich habe nicht das Gefühl, dass hier die Natur im Gleichgewicht ist. Kürzlich habe ich wieder meinen Wohnwagen zu den Schafen gestellt, damit ich die Tiere auch nachts beschützen kann.

 

Zum welchem Fazit die beiden meinungsstarken Männer nach dem Gespräch gekommen sind, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FOOD & FARM.