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Die brauen sich was: Frauen am Sudkessel

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Text: Mareike Hasenbeck

Wer käme schon auf die Idee, dass im Allgäuer Voralpenland, zwischen sanften Hügeln und wilden Bergseen, einige der kreativsten Biere des Landes ihren Ursprung haben? Überraschend ist vor allem, dass zwei junge Frauen dort im väterlichen Familienbetrieb aufregende Hopfensäfte in die Flasche bringen. Die Braumeisterin Stephanie Meyer und ihre Schwester Kathrin, beide ausgebildete Biersommelièren, gründeten 2013 zusammen im Skidorf Nesselwang die Kreativmarke „Braukatz“ und erobern seitdem eine bundesweite Fangemeinde.

Ihre Bierspezialitäten tragen Namen wie „Pussy Cat“, „Hop Cat“ oder „Dark Cat“, sind aber kei- neswegs nur für die Frauenwelt gebraut. „Im Geschmack unserer Biere spiegeln sich Wasser, Luft, Erde und die Gebräuche unserer Heimat“, erklärt Stephanie Meyer.

 

Im Mittelalter dominierten Frauen das Brauhandwerk 

 

Aber ist Bierbrauen denn nicht reine Männersache? Und auch schon immer gewesen? Bei dieser Frage können Kathrin und Stephanie Meyer nur müde lächeln. Die wenigsten Biertrinker wissen, dass bis ins tiefe Mittelalter das Brauhandwerk ausschließlich von Frauen betrieben wurde. Das Werkeln am Sudkessel gehörte über Jahrtausende zur normalen Hausarbeit dazu und wurde quasi neben dem Brotbacken erledigt. Grabfunde und Inschriften auf Steintafeln belegen, dass Frauen schon vor mehr als 4000 Jahren das Brauhandwerk dominierten.

Bis ins tiefe Mittelalter hinein erhielten sie zur Hochzeit häufig einen Braukessel als Hauptgeschenk. Erst als die Klöster im Bierausschank eine lukrative Einnahmequelle entdeckten, verdrängten Mönche die Brauerinnen vom Gärbottich.

 

Jetzt holen sich die Frauen ihren Platz am Sudkessel zurück

 

Nach jahrhundertelanger Entsagung liegt das Thema Bier wieder in Frauenhand und ist mehr als ein Trend: Die Ausbildungsstätten registrieren eine wachsende Anzahl an Braumeisterinnen, immer mehr Frauen erlernen den Beruf der Biersommelière, und in heimischen Waschkellern kochen sie als Heimbrauerinnen ihre eigenen Gerstensäfte. Zudem wächst die Zahl junger Brauerinnen, die nach ihrer Ausbildung eigene Biermanufakturen gründen oder die väterlichen Braustätten übernehmen.

Ein gewachsenes Interesse junger Frauen am Thema Bier verzeichnet auch Manuela Wagner, Geschäftsführerin an der weltweit ältesten „Bieruniversität“ in Weihenstephan: „Viele Frauen gehen inzwischen mit großem Enthusiasmus in den Brauberuf.“ Und bringen mit neuen Bierspezialitäten auch ihre männlichen Kollegen zum Staunen.

Eine Vorzeigefrau im Braugewerbe ist Barbara Lohmeier-Opper aus dem oberbayerischen Dorfen. Die 40-jährige Braumeisterin führt zwar noch gemeinsam mit ihrem Vater die Geschäfte der Familienbrauerei „Bräu z’Loh“, soll das Unternehmen aber schon bald komplett übernehmen. Im Ort ist Lohmeier-Opper schon lange als kreative Bierzauberin akzeptiert. Sie schleppt im Tagesgeschäft aber auch Bierkästen, wuchtet Fässer, trägt problemlos schwere Malzsäcke und bringt gleichzeitig frischen Wind in die heiligen Hallen.

„Manchmal ist es schon hart, sich gegen die Männerwelt in der Brauerei durchzusetzen, aber das Resultat gibt mir am Ende dann doch recht“, freut sich die Braumeisterin.

 

Weitere kreative Braumeisterinnen und ihre spannende Biere lernen Sie in der neuen FOOD&FARM kennen.