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Jetzt reden wir: Kalb und Kuh trennen – muss das sein?

Auf den meisten Milchviehbetrieben in Deutschland trennen Landwirte die Kälber von den Mutterkühen. Einige Verbraucher sehen diese Vorgehensweise sehr kritisch und fragen sich, ob das wirklich nötig ist

Rouven Zietz (Moderation)

Butter, Käse und Joghurt stehen bei den meisten Verbrauchern auf dem täglichen Speiseplan. Für den Rohstoff Milch sorgen rund 4,2 Millionen Milchkühe in Deutschland. Auf etwa 66000 Betrieben melken Landwirte ihre Kühe und liefern das Grundnahrungsmittel an die Molkereien. Noch im Jahr 2000 sorgten fast doppelt so viele Milchviehbetriebe für volle Kühlregale in den Supermärkten.

Auch im landwirtschaftlichen Sektor Milchwirtschaft entwickelt sich der Trend zu immer größeren Betrieben mit hohen Tierbeständen. In Süddeutschland wiederum existieren noch viele Höfe mit bis zu 50 Milchkühen.

Insgesamt sind die Leistungen pro Kuh in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Eine durchschnittliche Kuh gibt pro Tag rund 30 Liter Milch. Damit sie überhaupt Milch produzieren kann, bringt eine Kuh etwa alle 400 Tage ein Kalb auf die Welt. Nach der Geburt trennen Landwirte das Kalb von der Mutterkuh. Diesen Vorgang kritisieren viele Verbraucher und wünschen sich eine andere Lösung.

Milchviehhalter Michael Haußer aus dem Allgäu, Bayern, hat sich bereit erklärt, sich den Fragen von Verbraucherin Christine Troglauer-Göbel zu stellen und ihr seine Sicht zum Alltag im Kuhstall zu vermitteln.

FOOD & FARM: Herr Haußer, es ist in der Landwirtschaft üblich, die Kälber von den Mutterkühen zu trennen. Stellen Sie sich vor, man würde Müttern ihre Babys wegnehmen. Löst dieser Vergleich keine Zweifel an der gängigen Praxis bei Ihnen aus?

MICHAEL HAUSSER: Das Bild von den Müttern, denen man ihre Babys wegnimmt, höre ich öfter mal, wenn ich zum Beispiel in den sozialen Medien unterwegs bin. Allerdings hinkt dieser Vergleich. Menschen und Tiere sind nun mal nicht gleich. Auf meinem Betrieb erlebe ich jährlich rund 60 Geburten von Kälbern. In der Regel ist vielleicht eine Kuh dabei, die nach der Trennung für einige Stunden nach ihrem Kalb brüllt. Die meisten Kühe begeben sich direkt nach der Trennung völlig relaxt zum Futtertrog und erholen sich von den Strapazen der Geburt. Ein Trennungsschmerz ist ihnen nicht anzumerken.

FOOD & FARM: Einige Studien legen nahe, dass sich Kälber nicht gut entwickeln, wenn sie von der Mutterkuh getrennt werden. Dabei verlernen Kälber, bestimmte Signale von Kühen richtig zu deuten. Sind Ihnen auf Ihrem Betrieb Unregelmäßigkeiten im sozialenVerhalten der Tiere schon mal aufgefallen?

MICHAEL HAUSSER: Nein, das ist bei meinen Kälbern noch nie vorgekommen. Ich beschäftige mich sehr viel mit wissenschaftlichen Studien zum Thema Milchviehhaltung, aber von solchen Forschungsergebnissen habe ich noch nichts gehört. Nach meinen Beobachtungen sind die Kälber in der Lage, auch von anderen Kühen zu lernen und sich das Verhalten der Tiere abzuschauen.

CHRISTINE TROGLAUER-GÖBEL: Sie trennen die Kälber von ihren Mutterkühen bereits in der ersten Stunde nach der Geburt. Warum so schnell?

MICHAEL HAUSSER: Je früher wir Mutter und Kalb trennen, desto weniger Leid entsteht, da die Bindung noch nicht so stark ist wie zum Beispiel nach einem Tag. Direkt nach der Geburt schleckt die Kuh ihr Kalb trocken, um den Kreislauf anzuregen. Dann sollte das Kalb innerhalb der ersten vier Stunden mindestens zwei Liter Erstmilch trinken, um wichtige Nährstoffe aufzunehmen, die später von der Magenschleimhaut des Kalbs nicht mehr absorbiert werden können. Wenn ich dem Kalb die Flasche gebe, kann ich sicher sein, dass das Tier auch die benötigte Mindestmenge getrunken hat. Im Moment ist die Kälbertrennung nach wie vor die beste Lösung, die Gesundheit der Tiere sicherzustellen.

CHRISTINE TROGLAUER-GÖBEL: Reicht es schon aus, wegen der Erstmilchkontrolle die Kälber von den Kühen zu trennen? In der freien Natur gäbe es doch auch keine Hilfe vom Menschen.

 

Die Antwort von Milchviehalter Michael Hausser und weitere Argumente, die für und gegen die Trennung von Küh und Kalb sprechen, finden Sie in der neuen FOOD & FARM.