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Selbstversorger-Glück – so einfach geht Mini-Farming

Gemüse kaufen war gestern, heute wird selbst angebaut! Wie einfach das ist, auch auf kleinem Raum, zeigen diese Selbstversorger:

 

Das Landleben hatte Lena Meier hinter sich gelassen – ihr Herz gehörte der Stadt. Bis sie genau dort einen Mann traf, der sich für den Anbau von Gemüse begeisterte

Die Ackerheldin

Text: Frauke Döhring

Frisch Verliebte sehen bekanntlich anfangs nur die Schokoladenseiten am anderen. So auch Lena Meier, als sie vor drei Jahren den Fotografen Camillo Büchelmeier traf. Nur sein Hobby, das fand die Wahlmünchnerin – nun ja – seltsam. Camillo schwärmte ihr nämlich von einem Stückchen Land vor, das er über die „Ackerhelden“ bei einem Biobauern gepachtet hatte. Zweimal 20 Meter, ganz in der Nähe, mit Biogemüse für den Eigenbedarf – ob sie Lust habe, mit dabei zu sein?

Och nö, dachte Lena, man muss ja nicht alles teilen … Als Bauerntochter hatte sie schon früh auf dem Hof der Eltern mit anpacken müssen: „Ich saß aber viel lieber auf der Terrasse und las Bücher.“

Unlängst erst war sie nach München umgezogen, arbeitete in einem Anwaltsbüro und die Sehnsucht, in der Erde zu buddeln, hielt sich arg in Grenzen: „Ehrlich gesagt“, erzählt die heute 23-Jährige im Rückblick, „habe ich Camillo etwas ausgelacht. Ich dachte, wie kann man sich nur freiwillig ein Gemüsebeet anschaffen und dazu noch dafür bezahlen! Weil ich es von zu Hause aus nur als zusätzliche Aufgabe kannte.“

Drei Jahre später sieht die Sache ganz anders aus: Nicht nur Camillo, auch Lena pflegt die „Ackerhelden“-Parzelle in Ismaning mit Herzblut, an den Wochenenden oder auch mal abends unter der Woche. Daher haben sie das Terrain sogar verdoppelt, zweimal 40 Quadratmeter nebeneinander. Wie kommt’s?

Lena lacht: „Na ja, heuer verstehe ich besser, warum bei Großstadtmenschen das Gar- teln so populär ist. Es ist ein super Ausgleich zu Stress und Lärm.“ Außerdem hätten sie richtig gute Erträge: „Wenn wir das Gemüse kaufen würden, wäre es viel teurer. Ist ja alles Bioqualität. Wir ernten solche Mengen, dass wir Freunde damit beschenken können.“

 
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Mit klassischer Musik verdienen die Trunks ihr Geld. Was sie davon nicht kaufen: saisonale Lebensmittel. Denn die kultiviert das Paar selbst. Auch die Eier stammen von Hühnern aus eigener Haltung

Die Kulturschaffenden

Text: Carolin Nuscheler 

Alles, was einen Namen hat, wird nicht gegessen. Das ist eine der Regeln auf der Trunk’schen Mini-Farm. Um ihr Lieblingshuhn Corinna muss sich Anna (6) also keine Sorgen machen. Das rotblonde Mädchen sitzt im Gras und streicht dem Vogel in seinem Schoß über die schwarz-braunen Federn. Auch Erpel Heinrich, der seine drei Laufentendamen in diesem Moment aus dem Gebüsch keift und sie wie ein rasender Feldwebel einmal quer durch den Garten in Richtung Wasserstelle treibt, kann sich sicher fühlen. Und dass, obwohl er die schmalste in seinem quakenden Harem, Gundel, immer wieder heftig traktiert. Ihm wurde bisher nur mit dem Abtransport in ein anderes Heim gedroht. Doch wer will schon weg aus dieser Oase mitten in einem fränkischen Wohngebiet?

Johannes (47) und May-Britt Trunk (38) sind Berufsmusiker, spielen bei den berühmten Bamberger Symphonikern (bamberger-symphoniker.de). „Musik ist das Größte“, sagt die Violinistin. „Aber ein bodenständiges Hobby als Ausgleich ist mir wichtig.“ Und zwar mit handfestem Ergebnis, findet ihr Mann.

Die Mini-Farm rund um ihr Haus bietet all das. Auf 600 Quadratmetern Gartenfläche hält das Paar zwei Hunde, vier Laufenten, sieben Legehennen, saisonal mehrere Masthähnchen – ohne Namen – und bald sollen auch noch Bienen dazukommen.

Im Gewächshaus, in dem die Hühner wohnen, treiben Tomate und Gurke, beim Gartentor startet eine lange Reihe selbst gebauter Hochbeete. Jede der drei Töchter – Clara (14), Helena (10) und Anna – hat ihren eigenen Pflanzbereich und bestimmt selbst, was dort gesät wird. Besonders beliebt bei den Mädchen: Kräuter, Kürbisse und kleine Tomaten. Mit Papas Hilfe wird das Gemüse gehegt und schließlich regelmäßig geerntet.

Die ersten Zucchini sind reif. Noch haben alle Lust auf die grünen Keulen. „Gegen Ende der Saison hängen sie vor allem den Kindern ziemlich zum Hals raus“, sagt May-Britt Trunk und schmunzelt. Heute gibt es also ein zumindest vorläufiges Lieblingsgericht der Familie: selbstgemachte Eierspätzle aus Dinkel mit Zucchinigemüse.

Schritt eins: Dinkel mahlen. May-Britt Trunk ruft über das Knirschen der uralten Maschi- ne: „Den Dinkel kaufe ich beim Bauern in der Gegend.“ Alle anderen Zutaten, bis auf Gewürze und Öl, sind aus dem Garten. „Ein gutes Gefühl“, findet die Köchin. „Vor allem mit Kindern.“

 

Wie die Trunks aus Bamberg zur Selbstversorung gekommen sind und wie die Sache mit dem Stadtacker bei Lena und Camillo in München genau funktioniert, lesen Sie in der neuen FOOD & FARM.