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Ein Besuch im ersten Zero-Waste-Café in Hamburg

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In Hamburg betreiben zwei Freundinnen ein Café, in dem es vieles gibt, aber (beinahe) keinen Müll. Und garantiert keinen erhobenen Zeigefinger. Wie sie das machen? Mit Idealismus, Know-how, Kreativität und viel gutem Kaffee!

Text: Karina Bostelmann

 

Ein sonniger Morgen im Hamburger Karolinenviertel. Gerade haben zwei junge Frauen Tische und Stühle vor einem Café aufgebaut, jetzt wirbeln sie drinnen durch
Gastraum und Küche. Heute, am Dienstag, ist der Auftakt zu ihrer sechstägigen Arbeitswoche, in dessen Verlauf etwa ein Liter Restmüll anfallen wird. Das ist ein Bruchteil dessen, was in anderen Lokalen an einem einzigen Tag zusammenkommt. „Und vieles von dem, was sich bei uns sammelt, wird von den Gästen zurückgelassen“, erzählt Alana Zubritz und nennt als Beispiel die Folien von Papiertaschentüchern.

„In guter Gesellschaft“ heißt das Café, das die 31-Jährige gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Ina Choi-Nathan seit neun Monaten betreibt. Das Konzept dahinter: „Zero Waste“, zu Deutsch „Null Müll“. Ist dieser Anspruch tatsächlich umsetzbar? Ein Thema, zu dem Alana viel erzählen kann, schließlich hat sie in Brighton „Sustainable Design“ studiert. Zwei Jahre lang befasste sie sich damit, wie Produkte nachhaltig hergestellt werden können. „Noch mehr interessiert mich, wie sich Müll grundsätzlich vermeiden lässt.“ Neben dem Studium organisierte Alana daher Tausch- und Reparaturprojekte. Zurück in Hamburg gab sie ihr Wissen als Referentin weiter und steckte auch Ina mit ihrer Begeisterung fürs das Thema Zero Waste an.

Die Freundinnen kennen sich seit vielen Jahren und haben sogar mal zusammengewohnt. „Das war genau hier ums Eck“, erinnern sie sich und bescheinigen, dass die WG-Vergangenheit ihnen stets die Gewissheit gibt, dass eine berufliche Zusam- menarbeit gut funktionieren wird. „Wir wollten beide ein nachhaltiges Unternehmen aufbauen. Dass es ein Café wird, war nicht sofort klar“, erzählt Betriebswirtin Ina, die vor der gemeinsamen Gründung in der Luftfahrtindustrie tätig war.

Durch ehemalige Kommilitonen war Alana auf das „Silo“ in Brighton aufmerksam geworden, das erste Zero-Waste-Restaurant Europas, das seit 2014 besteht. Es inspirierte die Frauen dazu, ein eigenes Café-Konzept zu entwickeln. „Womit wir wieder bei der Ausgangsfrage sind“, nimmt Alina den Faden erneut auf: „Zero Waste bedeutet ja, gar keinen Müll zu produzieren – das ist für einen Gastrobetrieb leider noch nicht möglich. Aber wir sind dicht dran“, sagt sie und zeigt, in welchen Fällen es problemlos möglich ist, Plastik zu vermeiden und sich für Materialien zu entscheiden, die man wiederverwenden kann.

So wird die hausgemachte Orangenlimo in einem Einmachglas serviert, in dem ein Strohhalm aus Metall steckt. Den Saft dafür liefert Mutter Natur bekanntlich in praktischer Verpackung, eine der zwölf Mitarbeiterinnen hat ihn gerade frisch gepresst. Im Café sind Tetra Paks und Einwegflaschen tabu, weshalb die vegane Hafer-Mandel-Milch selbst gemacht wird. „Manchmal kommen wir mit der Produktion nicht hinterher, müssen Gäste vertrösten. Das gilt auch für unsere Teigtaschen oder Brotaufstriche. Zum Glück verstehen die meisten, das unser Konzept eben auch bedeutet, dass nicht immer alles sofort verfügbar ist.“

 

Welche Speisen und Getränke es bei Ina und Alana noch gibt und wie schwierig es für die beiden oft ist, die gewünschten Produkte im Handel zu bekommen, erfahren Sie in der neuen FOOD & FARM.