Himmlische Zustände | FOOD & FARM

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26. Februar 2019
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Himmlische Zustände

Selbstversorgung mit Bio aus eigenem Anbau – das wird in den sanften Hügeln des Weserberglands von orthodoxen Mönchen ganz einfach gelebt.

Früher Morgen im Weserbergland. Um fünf Uhr hat einer der Mönche die Glocken zum Morgenlob geläutet, eine Zeit ausgiebiger Gebete und Gesänge. V. Lazarus verlässt die Andacht früher, um wie jeden Dienstag in der Küche Brot zu backen.

Der 40-Jährige krempelt die Ärmel hoch und bindet seine Schürze um. Im Ofen knacken rot glühende Holzscheite. Bereits um vier Uhr hat er sie angefacht. Neben dem warmen Ofen geht seit gestern Abend der Sauerteig. „Das Ergebnis fällt jedes Mal anders aus“, berichtet V. Lazarus und beginnt, auf der Holzplatte des Küchentisches den Teig zu kneten. „So ist halt die Natur.“

Die ersten Sonnenstrahlen fallen durch das kleine Fenster und lassen das Gold der Heiligenbilder erstrahlen, die in der holzgetäfelten Ecke der Küche hängen. Wichtig beim Brotbacken, sinniert der Mönch weiter, sind die richtige Temperatur, Feuchtigkeit sowie das Herzensgebet. „Ich habe gebraucht, um für alles das richtige Gefühl zu entwickeln.“ Er lächelt und streicht sich über den bauchlangen, rotblonden Bart.

Wer das Gelübde ablegt, um als orthodoxer Mönch zu leben, darf sich weder Bart noch Haare schneiden. Das ist eine der vielen uralten Sitten, die das Klosterleben bestimmen. „Wir versuchen, so nah wie möglich an der Schöpfung und im Einklang mit der Natur zu leben“, erklärt der Abt des Klosters, Altvater Johannes. So wie es auch die Mönche auf dem griechischen Berg Athos tun, wo er als junger Mann Mönch wurde, bevor er vor fast 30 Jahren Buchhagen gründete.

Der 63-Jährige und die drei weiteren Mönche des Klosters leben einfach und autark. Mauern und Gebäude haben sie großteils mit den eigenen Händen erbaut, aus Materialien der Umgebung, wie etwa dem rötlichen Sandstein. Kunststoffe vermeiden sie. Plastiktüten oder Tupperware sucht man bei ihnen vergebens. Dafür gibt es altes Porzellan, mundgeblasene Gläser und Möbel aus vergangenen Jahrhunderten.

Ihr Geschirr spülen die Mönche von Hand. Die Kaffeemühle dreht sich durch Körperkraft. Ein Erdkeller soll bald den Kühlschrank ersetzen. Herd und Heizung betreiben die Männer mit Holz aus dem eigenen Wald, sie sägen, spalten und transportieren es unter großen Mühen. Entsprechend sparsam ist ihr Verbrauch: Warmes Wasser für die Duschen gibt es nur an Freitagen (…)