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Der Boden-Flüsterer
26. Februar 2019
Skrei ahoi!
26. Februar 2019

Ja, da 
lachen die Hühner!

Was für ein Gewusel! Wenn Annalina Behrens über ihren Biohof geht, ist sie umringt von frei laufenden Hennen und Hähnen.

Ohne Scheu picken sie an ihren Stiefeln, lassen sich auf den Arm nehmen und streicheln.

„Ich liebe den Kontakt zu den Tieren“, sagt die 30-Jährige strahlend. Gemeinsam mit ihrer Schwester Leonie, 27, leitet sie das Biounternehmen haehnlein sowie einen eigenen Biohof rund 40 Kilometer südöstlich von Rostock. „Wenn meine vier Ställe voll belegt sind, sind das an die 60 000 Tiere!“

Wie kommen zwei junge Frauen dazu, sich in großem Stil der Hühnerzucht zu widmen? Initiator war ihr Vater, erzählt Annalina. Biobauer Friedrich Behrens, 64, gründete 2003 den Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof, zu dem heute 19 Familienhöfe zählen, und spezialisierte sich auf Bioeier.

Die Töchter hatten freilich erst mal eigene Pläne: Die beiden ziehen nach Hamburg, Leonie studiert Wirtschaftspsychologie, Annalina Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Medien. 2011 wagt sie ein Start-up, eine Website für Allergiker. Doch als ihr Vater anfragt, ob sie nicht doch einen Hof übernehmen wolle, sieht sie ihre Chance: es besser zu machen als andere.

Und schon sind wir bei dem heiklen, oft verdrängten Thema einer auf Maximalgewinn getrimmten Hühnerzucht: beim Kükentöten. „Pro Jahr sterben 
45 Millionen männliche Küken in Deutschland direkt nach dem Schlüpfen. Nicht bei Mastgeflügel, da ist das Geschlecht egal. Aber bei der Spezialisierung auf Legehennen gelten Hähne als ‚unrentabel‘, da sie ja keine Eier legen.

Also werden die Küken getötet und als Tierfutter verwertet“, referiert Annalina und wird sehr ernst. „Wir haben uns gefragt: Können wir das ändern? Und wie?“ Und plötzlich die Idee: Mit einem Aufpreis von vier Cent pro Bioei wollen sie die haehnlein-Zucht finanzieren. Von der Aussicht aufs reine Gewissen angestachelt, starten sie Testläufe mit je 600 Küken – und stehen Tag für Tag vor neuen Fragen: Welche Rasse eignet sich am besten? Was brauchen wir zur Aufzucht? Und: Sind Kunden wirklich bereit, mehr zu zahlen?

Heute wissen sie: Ihr Plan war realistisch! Die Nachfrage nach ihren einen Tick teureren haehnlein-Bioeiern und dem Biofleisch vom sogenannten Bruderhahn der Legehenne ist so gestiegen, dass sie in sechs Jahren rund eine halbe Million männliche Küken „retten“ konnten (…)