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26. Februar 2019

Skrei ahoi!

Winterkabeljau von den Lofoten

Meine Hände sind steif vor Kälte, obwohl sie in dicken Handschuhen stecken. Ich kneife die Augen zusammen, der eisige Wind peitscht mir ins Gesicht. Er kommt aus allen Richtungen, pfeift übers schwankende Bootsdeck. Jetzt schneit es auch noch. Messerscharfe Kristalle kratzen über meine roten Wangen. Die Mütze bis zu den Brauen und den Schal bis übers Kinn gezogen, blicke ich hinaus aufs schwarze Meer. Die Wellen tragen weiße Kronen. Meine Finger umklammern die Angelrute. Noch will ich nicht aufgeben.

Über drei Stunden sind wir schon hier draußen. Bei minus acht Grad. Unser Kutter ist einige Kilometer vor der Südküste der Inseln dem kostbaren „Skrei“ auf der Spur – einheimische Fischer wollen uns zeigen, wie sie den „Wanderer“, wie der Fisch auf Altnorwegisch heißt, fangen.

Warme Kinderstube

Schneebedeckte Felsen ragen aus dem Wasser, der Nebel hängt zwischen ihren schroffen Spitzen. Vier Stopps haben wir hinter uns. Viermal die Hoffnung, dass wenigstens eine der Angeln plötzlich zuckt und sich elastisch wie ein junger Ast in Richtung Wasser biegt. Nichts. Der Skrei will nicht beißen. Nicht heute.
Die Fischer an Deck schütteln die Köpfe. „Unmöglich, dass wir nichts fangen“, raunt einer. Denn es ist Mitte März und Hochsaison. Der arktische Kabeljau kommt jetzt zum Laichen hierher.

Bis er fünf bis sieben Jahre alt ist, lebt der Skrei, ein Mitglied der Dorschfamilie, ganzjährig in der eiskalten Barentssee weit oben im Norden. Mit Geschlechtsreife macht er sich schließlich alljährlich ab Mitte Dezember auf die über 1000 Kilometer lange Reise in die wärmeren Gewässer rund um die Lofoten.

Hier an der Westküste Norwegens zieht der Golfstrom vorbei, bietet dem Skrei ideale Wassertemperaturen für die Eiablage. Der Westfjord ist einer seiner Lieblingsorte. Im Meeresarm zwischen norwegischem Festland und Lofoten ist die Strömung schwach, die See ruhig. Meistens.

Die Wellen schlagen jetzt höher gegen unseren Kutter, die Schneeflocken werden dicker und kommen von mehreren Seiten. Ich blinzele über den Fjord, kaum ein Schiff ist noch draußen. Sollten wir nicht besser auch zurückfahren?

Der Skrei gilt als Delikatesse und ist vor allem in Europa heiß begehrt. Durch die weite Reise, die er jedes Jahr auf sich nimmt, ist er kräftig und groß. Der Fisch wächst langsam, wird knapp zwei Meter lang und bis zu 55 Kilo schwer. Sein weißes Fleisch ist muskulös und fest. Bei richtiger Zubereitung aber weich wie Butter. Gefangen wird er mit Angelruten. Einzeln. Einer nach dem anderen. Netze könnten die Fische quetschen oder verletzen, erklärt mir einer der Fischer. Sobald Blut austritt, färbt sich das Fleisch rot und ist nur noch einen Bruchteil wert (…)