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Upcycling im Garten: Go’s und No-Go’s

Aus Europaletten lassen sich praktische und stylische Gartenmöbel bauen. Doch nicht alle Paletten sind dafür geeignet. Foto: Pixabay

Aus Europaletten lassen sich praktische und stylische Gartenmöbel bauen. Doch nicht alle Paletten sind dafür geeignet. Foto: Pixabay

Ein paar alte Bretter, ein Satz abgefahrene Autoreifen, übrig gebliebene Umzugskartons oder eine Kiste Plastikflaschen: Fast jeder hat in irgendeiner Haus- oder Gartenecke Dinge herumliegen, die er eigentlich schon lange hätte entsorgen können. Anstatt diese Gegenstände dem Müll zuzuführen, funktionieren immer mehr Gartenbesitzer sie einfach um. So werden dann Hochbeete oder Beet-Umrandungen aus alten Brettern oder Paletten hergestellt und Plastikflaschen werden zu Mini-Gewächshäusern.

Eigentlich eine gute Idee. Denn Umfunktionieren und Wiederverwenden spart Ressourcen, verringert das Müllaufkommen, kann richtig stylish sein und schont zudem das Budget. Was dabei häufig nicht beachtet wird: Manche Gegenstände sollten aufgrund ihres Materials oder ihrer Behandlung besser keine Verwendung im Garten finden. Ganz besonders nicht im Gemüsegarten. Denn Schadstoffe wie Weichmacher, Flammschutzmittel oder Mineralölrückstände will sicher niemand in seinen selbst gezogenen Radieschen haben.

Expertin erklärt, welche Stoffe ungefährlich sind

Vorsichtshalber lieber gar nicht upcyceln? Nein, es gibt eine ganze Menge Gegenstände, die unbesorgt im Garten weitergenutzt werden können. FOOD&FARM sprach mit Professor Dr. Gesine Witt, Leiterin der Forschungsgruppe Umweltanalytik und Ökotoxikologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg – und Hobbygärtnerin.

 

Paletten

Hochkant aufgestellte Paletten lassen sich hervorragend mit kleinem Gemüse wie Radieschen und natürlich auch mit Kräutern bepflanzen. Wer mehr oder größeres Gemüse anbauen möchte, der kann aus mehreren Paletten ein kostengünstiges Hochbeet bauen. Auch zur Herstellung von Gartenmöbeln wie Tische oder Bänke eignen sich die Paletten gut. Doch Gesine Witt warnt: „Es gibt unterschiedliche Paletten. Worum es sich im Einzelfall handelt, erkennt man an dem eingebrannten Siegel. Mit der Kennzeichnung HT ist man in der Regel auf der sicheren Seite. Das bedeutet nämlich Heat Treatment, also Hitzebehandlung.

Chemische Behandlungen, die unter anderem durch die Kennzeichnungen MB (Methylbromid) angezeigt werden, sind zumindest innerhalb der EU verboten. Außereuropäische Lieferungen können aber entsprechend behandelt sein. Ich würde ausschließlich Paletten mit HT-Kennzeichnung im Garten verwenden und diese dann selbst mit Biofarben behandeln.“ Aber auch eine HT-Kennzeichnung bietet keine Sicherheit für Schadstofffreiheit. Keiner kann wissen, was auf der Palette transportiert worden ist. Wenn sie also seltsam riecht oder ungewöhnliche Verfärbungen aufweist, besser weg damit.

 

Pappe und Papier

Eine beliebte Methode zur gemütlichen und rückenschonenden Anlage von Beeten ist das Abpappen. Statt den Boden umzugraben, wird auf der geplanten Beetfläche Pappe so ausgelegt, dass sie den Boden vollständig bedeckt. Wichtig: Die Pappen müssen sich deutlich überlappen, damit keine Schlupflöcher für Gras & Co. entstehen. Obendrauf kommt eine Lage Kompost und Mulch. Die Pappe verrottet nach und nach und lässt bis dahin das darunterliegende Unkraut absterben. Auch Zeitungspapier findet im Garten Verwendung, etwa in Form von selbst gedrehten Anzuchttöpfchen. Dazu Gesine Witt: „Ich würde Pappe nicht unbedingt dahin legen, wo ich später etwas anbauen möchte. Zumindest dann nicht, wenn die Kartons bedruckt sind. Grundsätzlich aber ist Pappe ohne Druck relativ unproblematisch. Bei bedruckten Pappen und auch bei Zeitungspapier besteht hingegen

die Möglichkeit, dass Mineralölrückstände in den Boden übergehen. Farbige Drucke sind meist schadstoffintensiver als der rein schwarze, weil sie aus mehreren Farben zusammengemischt werden. Ich persönlich würde zur Pflanzenanzucht immer Kokosfaser vorziehen. Das Material hat bis hierher zwar einen weiten Weg, aber immerhin kann es, genauso wie Zeitungspapier, einfach mit eingepflanzt werden und zersetzt sich schadstofffrei.“

 

Autoreifen

Wer schon einmal Kartoffeln angebaut hat, weiß, dass durch das Anhäufeln der Kartoffelpflanzen deutlich höhere Erträge zu erzielen sind. Und da kommen bei manch einem Gärtner alte Autoreifen ins Spiel. Aus ihnen lassen sich nämlich mitwachsende Kartoffeltürme stapeln. Eine clevere Idee? Die Wissenschaftlerin: „Das würde ich nie machen! Autoreifen werden aus Mineralölkohlenwasserstoffen hergestellt und man weiß ja, dass durch den Abrieb von Autoreifen mit Mineralölkohlenwasserstoff belastetes Mikroplastik entsteht. Die Mineralölkohlenwasserstoffsteht.

Mineralölkohlenwasserstoffreste gelangen in die Umwelt und können über den Boden in die Kartoffeln gehen.“ Für die im Boden lebenden Organismen wären diese Stoffe sogar noch problematischer als für uns. Der sogenannte Daphnientest, ein häufig genutzter Toxizitätstest mit Wasserflöhen, zeigt das sehr deutlich: Die Flöhe sterben im Kontakt mit dem Schadstoff.

 

Wie es mit verschiedenen Kunststoffen aussieht und ob die Professorin vom Gebrauch im Garten eher ab- oder zurät, erfahren Sie in der aktuellen FOOD&FARM Mai/Juni 2019.