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Wir sind die Picknicker

Ob spontan arrangiert oder opulent inszeniert: Ein Picknick ist wie ein Kurzurlaub ohne Kofferpacken. Denn ein Korb tut’s auch!

Autorinnen: Karina Bostelmann, Conny Trumann (Fotos)

 
Nie fällt es mir so leicht, unseren Vorsatz einzuhalten, wie jetzt im Sommer“, sagt Simon und schiebt sich mit zufriedener Miene eine Tomate in den Mund. Besagten Vorsatz hat er in der Silvesternacht gemeinsam mit seiner alten Freundin Julia geschmiedet, die jetzt auf der anderen Seite der karierten Decke im Gras sitzt. Zwischen Fonduetopf und Feuerwerk beschlossen die beiden Kindergartenfreunde aus Hamburg, dem Alltag künftig mehr Leichtigkeit zu geben. „Ob spontane Landpartie oder eine gestohlene Stunde in der Hängematte – wir haben uns vorgenommen, regelmäßig kleine Auszeiten zu nehmen“, erzählt Julia, deren Tage in einer Unternehmensberatung meist lang ausfallen.

Der heutige Abend ist der beste Beweis dafür, dass Neujahrsvorsätze nicht zwangsläufig in der ersten Januarwoche versanden und Auszeiten unkompliziert umsetzbar sind. „Ich habe gestern beschlossen, den Feierabend heut vorzuziehen und das Abendessen in netter Gesellschaft an einem grünen Fleckchen einzunehmen. Und jetzt sitzen wir hier“ freut sich Simon. Julia ergänzt: „Das Allerbeste: ich musste mich um nix kümmern. Manchmal kann das Leben so einfach sein. Herrlich!“
 

Nicht viel Vorbereitung nötig

Auch wenn das gemeinsame Picknick Simons Idee war – die Organisation hat ihn im Vorfeld keine Mühen, sondern lediglich einen Anruf gekostet. Denn den geräumigen Korb, den er vor Julias staunenden Augen in einem kleinen Park am Rande eines Alsterkanals geöffnet hat, wurde für ihn auf Bestellung vom „Mutterland“ bestückt. Drei verschiedene Korb- Varianten stehen in dem Hamburger Feinkostgeschäft zur Auswahl, Simon hat sich für den „Sportsfreund“ entschieden: Neben Salaten, einer kleinen Aufschnitt- und Käseplatte samt Brötchenauswahl, Kuchenstücken und Quarkspeise mit frischem Obst liegen auch Mineralwasser und Bier im Korb. Außerdem Geschirr, Besteck, Servietten. „Das Mutterland ist bekannt für Gutes aus deutschen Landen. Was dort in der Vitrine liegt, ist immer köstlich – darum war mir der Service die 60 Euro wert“. Und Tomaten von Simons Balkonhochbeet und frische Sommerbeeren – unterwegs spontan an einem Verkaufsstand eingesammelt – runden den Schmaus ab.

„So eine bunt gedeckte Tafel habe ich gar nicht erwartet“ freut sich Julia und fügt hinzu: „Weil an der frischen Luft, mit schönem Ausblick und netter Gesellschaft ohnehin alles besser schmeckt, wäre ich auch mit einem schnöden Butterbrot zum kühlen Bier glücklich gewesen. Ich finde, ein Picknick kann als Vesper oder Festmahl daherkommen, Hauptsache es wird draußen gegessen!“
 

Picknick kommt von „Pique-nique“

Julia ahnt nicht, wie treffend diese Bemerkung aus historischer Sicht ist. Historiker sind sich zwar uneins darüber, wo und wann genau eine unter freiem Himmel eingenommene Mahlzeit erstmals als Picknick bezeichnet wurde – doch fest steht: Der Mensch hat schon immer draußen gegessen. Während Bauern oder Reisende sich von jeher ein Plätzchen am Feldrand suchten, um sich mit zweckmäßigen Speisen zu stärken, nahm das Ganze zum Ende des 17.Jahrhundert opulente Formen an. Das Mahl in freier Natur – gerne mit Leberpastete und Champagner – etablierte sich im französischen Adel anlässlich herrschaftlicher Jagdgesellschaften. Der Begriff „Pique-nique“ fand sich damals erstmals in der Literatur. Das Wort setzt sich vermutlich zusammen aus „piquer“ für „aufpicken“ und „nique“ für „Kleinigkeit“.

Nachdem die Französische Revolution dem Volk die königlichen Parks und Wälder zugänglich gemacht hatte, wurde die Flucht ins sommerliche Grüne auch für Arbeiter möglich. Dies war im Zuge der Industrialisierung nicht nur in Frankreich bitter nötig, vor allem die Engländer litten in ihren Städten damals unter heftigem Smog. Im 19. Jahrhundert, zu Zeiten Königin Victorias, kamen Picknicks daher nicht nur beim britischen Adel groß in Mode. Damals wurde auch der Picknickkorb modern, in dem Geschirr und Besteck, Speisen und Getränke verstaut wurden. (…)

 

Tipps und Tricks – für Trendsetter und Traditionalisten

WICKELTECHNIK

Sandwiches, Quiche, Käse oder Gebäck: Auf Frischhalte- oder Alufolien sollte man verzichten. Sie sind nicht nur umweltschädlich, sondern können außerdem Weichmacher enthalten, die sich in fettreichen Lebensmitteln anreichern. Viel besser eignen sich mit Bienenwachs getränkte Tücher, die zudem auch wiederverwendbar sind (z. B. von little-bee-fresh.de).

TRANSPORTUNTERNEHMEN

Ob mit Nudeln oder Kartoffeln, grün oder bunt: ein Salat darf nicht fehlen – Rezepte finden Sie im aktuellen Heft. Soll er zur Selbstbedienung in der Mitte stehen, bietet sich eine große Kunststoschale in einer hübschen Farbe mit fest verschließbarem Deckel an (z. B. aus der BPA-freien Serie „Cirqula“ von mepal.com). Noch nachhaltiger sind Edelstahl boxen, die es in vielen Formaten gibt (z. B. die stapelbare „Tin“-Serie von ecobrotbox.de). Besonders dekorativ sehen Einzelportionen aus, die in Marmeladenoder Weckgläsern angerichtet werden. Auch Rohkost, Dips oder Dressings (stets separat mitnehmen!) kommen darin sicher ans Ziel.

TELLERGERICHT

Wer den Picknickkorb nicht weit tragen muss, packt – ganz stilecht – dickwandige Porzellanteller ein. Sind die zu schwer, ist langlebiges Melamingeschirr (z. B. von ricebyrice.com/de) oder ein Set aus Emaille (emaille24.de) eine gute Alternative. Wird eine große Meute bewirtet, ist Einweggeschirr aus Palmblättern (biofutura.com) eine schlaue Wahl. Und wer das ganze Thema umgehen möchte, serviert Fingerfood.

MULTITALENT

Wir finden: Ein großes, stabiles Holzbrett darf nicht fehlen. Aufschnitt, Käse und Obst kommen darauf rustikal-dekorativ zur Geltung, es dient als Tablett, als sichere Ablage für Weingläser, und wird, als Deckel auf große Schüsseln gelegt, zum Torten ständer oder Beistelltischchen.

FROSTSCHUTZ

Ein Wort zur Decke: Profis breiten natürlich eine aus mehreren Lagen bestehende Variante aus, deren Unterseite vor Feuchtigkeit und Kälte schützt und die an handlichen Riemen getragen wird (z. B. von Tweedmill über amara.com). Wer eine Isomatte besitzt, rollt einfach diese aus und legt eine schöne Tagesdecke darauf. Sieht zwar eher nach Goa-Festival als nach Windsor Castle aus, hat jedoch den gleichen Eekt!

(…)

 

Weitere Tipps zum erfolgreichen Picknick sowie die gesamte Geschichte von Julia und Simon lesen Sie in der aktuellen FOOD&FARM – ab sofort am Kiosk oder online im Shop