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„Kritiker ignorieren die vielen Vorteile“

Autor: Christian Stede

Die Diskussion um Erneuerbare Energien hat gerade jetzt im Zuge der „Fridays For Future“-Bewegung enorm an Aktualität gewonnen. Bei deren Anhängern gilt als Konsens: Das Erreichen der Klimaziele ist nur durch Einschränkungen im Verbrauch fossiler Energieträger möglich, und zwar zugunsten des Einsatzes nachhaltiger Quellen.

Letztgenannte haben ohnehin den Vorteil, gewissermaßen ständig vorrätig zu sein oder sich stetig wieder zu erneuern. Dies ist beispielsweise bei Biogas der Fall: In einer Biogas-Anlage werden sowohl Reststoffe wie Gülle oder Biomüll wie auch Substratpflanzen wie Mais oder Zuckerrübe eingesetzt, um Energie zu erzeugen.

Ein Blick über den Platz vor der Anlage des Margaretenhofs veranschaulicht diese Vielseitigkeit. Karotten, Kartoffeln, Getreide und Mais türmen sich meterhoch. Hier in Köln-Libur, direkt an der Bahnstrecke zwischen Köln und Bonn gelegen, betreibt Bernd Bulich eine von rund 9.500 Biogas-Anlagen in Deutschland.

Fremde und eigene Abfälle werden verwertet

Der Geruch draußen vor der Halle wie auch drinnen ist jedenfalls verblüffend neutral. In den beiden Maschinenräumen stehen die Blockheizkraftwerke, kurz „BHKW“, die wie Schiffsmotoren aussehen.

Statt Gemüse, das aus optischen Gründen für den Markt nicht mehr taugt, einfach wegzuschmeißen, wird daraus im Betrieb von Bernd Bulich noch etwas sehr Nützliches erzeugt: Strom. Aber nicht nur fremde, sondern in erster Linie eigene Abfälle verwertet der Landwirt, der den Margaretenhof bereits in vierter Generation betreibt, in seiner Biogas-Anlage.

Strom aus der Gasanlage von Bauer Bernd Buhlich, Foto: Benjamin Horn # Persönlichkeitsrechte von abgebildeten Personen beachten #

Strom aus der Gasanlage von Landwirt Bernd Buhlich, Foto: Benjamin Horn

FOOD & FARM: Herr Bulich, Betreiber von Biogas-Anlagen sehen sich mit der Kritik konfrontiert, den Anbau von Monokulturen zu fördern. Was ist dem entgegenzusetzen?

BERND BULICH: Ehrlich gesagt, glaube ich, dass die von Ihnen genannten Kritiker aus Unkenntnis die Nachteile einer solchen Anlage total überbewerten und die vorteilhaften Aspekte fast ignorieren. Maisanbau gilt als Paradebeispiel für eine Monokultur, die zur Erzeugung von Biogas eingesetzt wird, und das zum Nachteil der Insekten. Es gibt jedoch auch andere Substratpflanzen.

 

Welche? 

Zur Erzeugung von Biogas ist jedes organische, kohlenstoffhaltige Material geeignet. Sie können sich die Anlage wie den Nachbau eines Verdauungstraktes einer Kuh vorstellen. Jeder der großen Behälter ist so etwas wie ein einzelner Magen. Mais als Substrat ist deswegen so populär, weil die Kohlenstoffkette kurz ist und man damit schneller Methan gewinnen kann. Bei Holz dagegen, das ja auch kohlenstoffhaltig ist, würde der Prozess so lange dauern, dass es nicht mehr wirtschaftlich ist.

 

Die Zeiten, die die Biogas-Anlage zum „Verdauen“ braucht, variieren also nach verwendetem Material? 

Ja, wobei der Unterschied zur Kuh darin liegt, dass sie etwa 48 Stunden lang verdauen kann. Die sogenannte Verweilzeit beträgt bei einer Biogas-Anlage immer 40 bis 180 Tage, je nach Konzeption.

Strom aus der Gasanlage von Bauer Bernd Buhlich, Foto: Benjamin Horn # Persönlichkeitsrechte von abgebildeten Personen beachten #

Im Gespräch: Bernd Buhlich, Betriebsleiter auf dem Margaretenhof. Foto: Benjamin Horn

 

Seit wann läuft Ihre Anlage „Margaretenhof“?

Ans Netz gegangen sind wir 2008, etwa vier Jahre vorher begannen die Planungen. Alleine der Genehmigungsprozess zog sich über drei Jahre hin und verlief ziemlich zermürbend.

 

Gab es den Hof schon vorher?

Die Anlage haben wir, also mein Vater Bernhard und ich, so entworfen, dass sie autark vom Hof mit Substraten versorgt werden kann – und dass der Gärrest, der nach der Verbrennung übrig bleibt, wieder auf den Feldern als Düngemittel zum Einsatz kommt. Die Größe der Anlage – und damit auch ihre Leistung von 550 Kilowatt – richtet sich nach dieser Voraussetzung.

 

Wie viel Mais benötigt man für eine Kilowattstunde Strom?

Eine Tonne Mais reicht etwa für 250 Kilowattstunden Strom. Zuckerrübe ist noch etwas effizienter, die setzen wir auch saisonal ein. Alles, was von meinem Hof nicht an die Zuckerfabrik geht, kommt – wenn ich meine Quote erfüllt habe – in die Anlage.

 

War das damals einer der Gründe dafür, die Anlage zu planen, also eine Möglichkeit zu haben, die eigenen Reststoe zu verwerten? 

Ganz so einfach war es nicht. Den Hof hat meine Familie vom Besitzer, dem Landwirtschaftsverbund, gepachtet, mittlerweile in vierter Generation. Wir sind als Betrieb zwar gewachsen, aufgrund vieler infrastruktureller Gegebenheiten wie Wohnungsbau oder ICE-Trasse ist die landwirtschaftlich nutzbare Fläche aber gesunken. Die Überlegung des Eigentümers war: Wie können wir die Sicherheit des Betriebes noch für mindestens eine Generation sicherstellen?

Da sind wir ziemlich schnell bei Biogas gelandet. Aber nach der Besichtigung erster bereits fertiger Anlagen sind uns Zweifel gekommen. Diese waren sehr dreckig und der Geruch sehr unangenehm – das wäre hier, in dieser dicht besiedelten Gegend, gar nicht umsetzbar gewesen. Doch nachdem wir eine andere Anlage besichtigt hatten, in der es diese Probleme nicht gab, haben wir die konkreten Planung begonnen.

 

Inwieweit hat das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu dieser Entscheidung beigetragen?

Ganz wesentlich, weil uns dieses Gesetz die Stromabnahme durch einen festen Preis über eine Laufzeit von 20 Jahren ab Inbetriebnahme garantiert. Das gibt es so natürlich bei keinem anderen landwirtschaftlichen Produkt.

 

Das Modell gibt Ihnen also ein Plus an wirtschaftlicher Sicherheit?

Ja. Auf meinem Hof nutze ich etwa ein Viertel der Fläche, um die Biogas-Anlage zu versorgen, den Rest betreibe ich mit den anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen für den Nahrungsmarkt. Wenn die Preise für Getreide stark schwanken – und in manchen Jahren waren sie so niedrig, dass ich Verluste gemacht habe – bin ich immer noch durch das andere Standbein abgesichert.

 

Das ganze Interview mit Bernd Bulich lesen Sie in der aktuellen FOOD&FARM.