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Aufklärung und Imagearbeit – Bloggen für die Landwirtschaft

Text: Susanne Wächter

„Lach mal richtig in die Kamera“, sagt Bettina Obersojer zu ihrem Bruder, der fürs Fotoshooting die Kartoffelernte des eigenen Hofes unter die Lupe nimmt. Gesagt, getan – Florian strahlt noch einmal doppelt so freundlich in die Kamera und wirft dabei eine Kartoffel nach der anderen in die Luft.

Das Geschwisterpaar gehört zu der Generation Landwirte, die das Internet für sich entdeckt haben. Facebook und Instagram sind ihre Kanäle. Ein eigener Blog ist ihnen momentan noch zu viel Arbeit. „Auch bei Facebook müssen wir mindestens einmal die Woche Neuigkeiten bringen, sonst clickt keiner drauf“, weiß Bettina.

„Wir informieren dort über unseren Beruf und den Arbeitsalltag, wollen aber auch auf diese Weise unsere Produkte vermarkten“, erklärt die angehende Landwirtin, die derzeit noch Landwirtschaft an der Hochschule Weihenstephan- Triesdorf studiert. Dort lernt sie unter anderem, wie man mithilfe von Facebook potenzielle Kunden erreichen kann.

Junge Kunden in den Hofladen locken

Der Hof Obersojer ist seit 1882 in Familienbesitz. Er liegt am Münchener Stadtrand. Dort, wo München nicht mehr großstädtisch, sondern noch ländlich und durchaus landwirtschaftlich geprägt ist. Dass es in München auch noch landwirtschaftliche Produktionen gäbe, wüssten viele Menschen gar nicht, wie Bettina erzählt.

Vor allem nicht die jüngeren. „Die wollen wir über unsere Facebook-Seite erreichen. Und das schaffen wir auch. Durch unsere Social-Media-Vermarktung kommen deutlich mehr jüngere Leute in unseren Hofladen als früher“, erklärt sie. Immer mehr Follower finden sich auf ihrer Facebook- Seite und verfolgen Bettinas Landleben.

Zum Hof Obersojer gehört ein kleiner Hofladen. Vor allem eigene Produkte werden dort verkauft, aber auch die Waren anderer Landwirte aus dem Umkreis. „Wir selbst bauen Kartoffeln an“, berichtet die Influencerin, „auch einige seltene Arten – und wir haben Legehennen.“

Die jungen Bauern haben gemerkt, dass es wichtig ist, den Verbraucher über ihren Job aufzuklären. Und zu zeigen, was sie täglich auf den Feldern oder im Stall tun. Auch weil immer mehr hinterfragen, wo ihre Nahrung herkommt, wo und wie sie produziert wird. Die Landwirte wollen transparent sein. „Wir haben ja nichts zu verbergen“, sagt zum Beispiel der Schweinebauer Dirk Nienhaus aus Bocholt.

Wichtige Aufklärungsarbeit via Social Media

Seit knapp vier Jahren sendet Landwirt Dirk Nienhaus aus seinem Schweinestall. 4000 Schweine hält er an drei Standorten. Als er sich 2016 zwei Hallische Landschweine kaufte, um Schweinefleisch direkt ab Hof zu vermarkten, wollte er deren Leben per Video für die Verbraucher festhalten. Doch warum nur zwei Schweine auf Stroh zeigen, wenn direkt nebenan die anderen Sauen auf Spaltböden leben, so wie es in der konventionellen Schweinehaltung oft üblich ist?

Eine Frage, die sich Nienhaus selbst beantwortete und seitdem alle Vorgänge im Stall filmt, die Ferkelkastration genauso wie die Markierung der Tiere, die reif für den Schlachter sind. Oder die Sauen, die im Kastenstand ihre Ferkel zur Welt bringen. Mit verklärter Bilderbuch-Bauernhof- Romantik hat das wenig zu tun. Dafür mit der Realität umso mehr. Der Stall ist sauber, den Tieren steht Spielzeug zur Verfügung und sie haben ausreichend Platz. Nienhaus hat nichts zu verbergen und genau das zeigt er.

 

Welche Themen die jungen Blogger aus der Landwirtschaft in ihren Postings noch aufgreifen sowie feine Rezepte der landwirtschaftlichen Influencer, finden Sie in der aktuellen FOOD&FARM.

 

Info: Hier wird gebloggt!

Immer mehr Landwirte erkennen die Wichtigkeit, ihren Hof für die Öffentlichkeit zu öffnen. Auf der digitalen Ebene erreichen sie dabei mehr Menschen als mit einem aufwendig organisierten „Tag der offenen Tür“. Und für uns Verbraucher sind diese Blogs ein wunderbarer Einblick in den landwirtschaftlichen Alltag.

Wer bloggt, und worüber er oder sie informiert, finden interessierte Leser zum Beispiel unter hofheld.de Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) bietet Bauern unter der Adresse agrarblogger.de eine Plattform, um ihren Blog mit einem kurzen Link zu platzieren. Einblick in den landwirtschaftlichen Alltag bieten auch mehrere Landwirte aus ganz Deutschland auf der Seite frag-den-landwirt.com.

Sie zeigen ihre Höfe, ihre Felder, ihre Tiere und lassen an ihren Arbeitsabläufen teilhaben.