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Walbeck: Wo es den besten Spargel gibt

Satte Niederschläge, das milde Klima, sandige Böden und der Wille der Bauern, beste Qualität zu liefern – das ist das Geheimnis der weißen, zarten Stangen aus Walbeck. Der Geschmack ist einzigartig, einfach lecker! Ralf Scholze hat sich vor Ort umgesehen und gekostet.

–> Köstlichkeiten aus dem Boden

Text: Ralf Scholze

Der Erste Weltkrieg ist zu Ende, die Monarchie bricht zusammen, und der Kaiser dankt ab. Philipp Scheidemann ruft die Republik aus. Befreit von der Zensur, entfalten sich Kunst und Kultur und erleben in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts einen rasanten Aufschwung. Es ist eine wilde Zeit in den Metropolen, während auf dem Land wie am Niederrhein in Dörfern wie Walbeck, im Grenzgebiet zu den Niederlanden gelegen, eine bittere Armut herrscht.

Der Jurist Dr. Walter Klein-Walbeck, ehemaliger Generalstabsoffizier im Rang eines Majors, stammt aus diesem kleinen Dorf. Er quittiert den Militärdienst und lehnt lukrative Angebote ab – Angebote, wie in den USA als Anwalt zu arbeiten. In Walbeck wartet sein Erbe auf ihn, das gleichnamige Rittergut.

Dort will er mit seiner Frau Marianne hinziehen, um Fohlen, Kälber, Küken, Ferkel und Gänse zu züchten. Beide träumen von einem Leben, wie man es aus Verfilmungen der Romane von Rosemunde Pilcher kennt. So weit der Traum. Die Realität sah anders aus. Das Rittergut hatte vorher Besatzungstruppen beherbergt, und die hatten dort keine Schweine gezüchtet, sondern wie selbige gehaust.

Als die beiden realisierten, was sie dort erwartete, war es zu spät, um umzukehren. Das berufliche Angebot aus den USA, das war einmal. So blieb nur das Leben als Gutsbesitzer, auch wenn das Gut alles andere als in gutem Zustand war. Der Erfolg als Züchter war bescheiden, um es vorsichtig zu formulieren.

Dann kam die Inflation, das Geld war nichts mehr wert, und man war plötzlich pleite und alleine, denn das Personal hatte sich des Nachts davongemacht. Das junge Paar stand wieder einmal vor dem Nichts. Mitten in diesem Dilemma kam ganz unverhofft die Rettung in Form eines Briefes eines gewissen Herrn Böttger, den Marianne noch von ihren Tanzstunden her kannte. Böttger seinerseits kannte die arme Gegend um den Niederrhein von seiner Zeit beim Militär, war er doch bei Wesel stationiert gewesen.

Inzwischen war er Gartendirektor in Berlin geworden und schickte seiner Jugendliebe eine Tüte Spargelsamen. Es war aber kein beliebiger Spargelsamen, sondern er stammte aus seiner eigenen Züchtung: „Böttgers Riesen“.

Erste Versuche, den Spargel heimisch zu machen

Der Major a. D. Klein-Walbeck ist auf einmal hellwach. Den Spargel kennt er aus seiner Zeit beim Generalstab in Antwerpen, und die sandigen Böden der belgischen Spargelanbaugebiete, die kennt er auch. Wie üppig dort der Spargel wuchs! Das müsste doch auf den armen, sandigen Böden vor seiner Haustür genauso funktionieren! Wenn schon die Viehzucht so danebenging, dann konnte ein Versuch als Spargelbauer nicht schaden.

Im heimischen Schlossgarten werden die ersten Samen ausgesät, und bald kann der Schlossherr die ersten weißen Stangen ernten. Klein-Walbeck besucht die Landwirtschaftsschule, um alles über Ackerbau, Dünger und natürlich Spargel zu lernen. Waren die Walbecker wegen des studierten, hinzugereisten Möchtegernbauern erst skeptisch, so schlug die Stimmung nun um. Die Reihen voller Spargel rund um das Schloss wurden immer länger und immer zahlreicher.

Die Dörfler sahen: Statt mit Kartoffeln und Getreide konnte man auch mit dieser Delikatesse Geld verdienen, und das gar nicht mal so schlecht. Klein-Walbeck nutzt das plötzliche Interesse seiner Nachbarn, denn gemeinsam ist man stark, und zwar richtig stark. Geduldig fängt er an, die Bauern von der Idee einer großen Genossenschaft zu überzeugen, einer Genossenschaft, die im großen Stil den Spargel nicht nur anbaut, sondern ihn auch selbst vermarktet. So haben Händler von außerhalb keine Chance, die Walbecker Genossen gegeneinander auszuspielen.

 

Wie sich die Geschichte des Spargelanbaus in Walbeck fortsetzte sowie köstliche, kreative Rezepte mit den feinen weißen Stangen, finden Sie in der aktuellen Ausgabe von FOOD&FARM. Darunter: Die beiden Lieblingsrezepte vom Spargelbauern selbst.