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Wildblumen für Insekten säen – so entsteht die bunte Blütenpracht für zu Hause

Bunte Blumenwiese mit Kornblumen (Centaurea cyanus), Kltschmohn (Papaver), Salbei (Salvia), Phazelia Bienenfreund (Phacelia), Malve,
Schmuckkˆrbchen (Cosmos bipinnatus)

Bunte Blumenwiese mit Kornblumen (Centaurea cyanus), Kltschmohn (Papaver), Salbei (Salvia), Phazelia Bienenfreund (Phacelia), Malve, Schmuckkˆrbchen (Cosmos bipinnatus)

Autorin: Agnes Prus

Wir alle wissen mittlerweile, dass die Förderung von Bienen, Hummeln und anderen Insekten heute wichtiger ist denn je. Ob im Gartencenter oder im Blumenladen, überall finden wir Saatmischungen, die bunte Sommerwiesen und damit einen reich gedeckten Tisch für kleine Brummer versprechen. Und der Ansatz stimmt: Eine der besten Unterstützungen, die wir den Tieren geben können, ist die Anlage einer prächtig blühenden, ursprünglichen Wildblumenwiese.

Durch solche Flächen können wir den Kleinstlebewesen reichlich verwertbares Futter bieten und damit einen kostbaren Beitrag zur Vielfalt der Natur leisten. Wildpflanzen halten aber nicht nur Nahrung für Biene, Hummel und Schmetterling bereit, auch Vögel erfreuen sich daran. So knabbern Grünfinken und Stieglitze gerne die Samen von Kornblume, Natternkopf oder Waldwitwenblume.

Jedes blühende Fleckchen zählt!

Dafür muss man nicht gleich im Besitz großer Flächen sein. Ein blühender Streifen im Garten, ein wilder Meter auf dem Balkon, jedes Fleckchen zählt! Wir geben Ihnen die wichtigsten Tipps zur Anlage einer bunten, nahrhaften Wiese– denn ehrlicherweise reichen guter Wille und ein Saatguttütchen selten aus, um ein Blütenmeer entstehen zu lassen und den Tieren zu bieten, was sie brauchen.

Aber mit etwas Geduld blüht, summt und brummt es auch bald bei Ihnen.

So bereiten Sie den Boden vor

Ein guter Zeitpunkt, um eine Wildblumenwiese anzulegen, ist von März bis Ende Mai, dann blüht die bunte Pracht noch im gleichen Jahr. Alternativ kann auch im Herbst ausgesät werden. In jedem Fall sollte der Standort sonnig sein. Es genügt nicht, die Blumensamen einfach auf das Gras zu streuen, denn dann hätten sie kaum Bodenhaftung und würden nicht keimen.

Zur Bodenvorbereitung muss daher zunächst die Grasnarbe etwa 10 Zentimeter tief abgestochen werden. Je nach Größe der Fläche kann man diese unkomplizierte, aber anstrengende Arbeit mit einem Spaten oder einem Rasenschäler (im Baumarkt ausleihbar) erledigen. Stechen Sie vorher die zu bearbeitende Fläche ab, wenn Sie eine akkurate Kante wünschen. Wildblumen sind zarte Geschöpfe, daher sollten die blühenden Wiesen nach Möglichkeit nicht betreten werden. Wenn Sie also im Sommer im Blütenmeer „baden“ wollen, planen Sie einen kleinen Rasenweg ein.

Anschließend wird die Erde vorbereitet. Wildblumen gedeihen nur in magerem, also nährstoffarmem Boden, es empfiehlt sich daher, beim anschließenden Umgraben und Lockern (etwa 15 Zentimeter tief) 30 bis 50 Prozent Sand in die Erde einzuarbeiten. Anschließend muss die Fläche sehr fein geharkt und Steine, Unkräuter und Unkrautwurzeln müssen gründlich entfernt werden, dann ist der Boden bereit für die Aussaat. Unter keinen Umständen sollte eine Wildblumenwiese gedüngt werden, denn das fördert nur das Wachstum von hungrigen Gräsern, die die Blumen verdrängen.

Auswahl des Saatguts

Während Honigbienen „Allesfresser“ sind, ernähren sich viele andere Insekten nur von Pflanzen, die sie kennen, und haben „Leibspeisen“. Manche sind sogar äußerst wählerisch, die Raupe des Aurorafalters beispielsweise frisst ausschließlich Wiesenschaumkraut, die Natternkopf- Mauerbiene labt sich nur am Natternkopf, und die Flockenblumen- Löcherbiene futtert nur Flockenblumen!

Mit exotischen Gartenblumen können die wenigsten der hierzulande heimischen Insekten etwas anfangen. Überdies blühen diese Pflanzen oft zu einem Zeitpunkt, zu dem die Lebewesen, die man unterstützen möchte, gar nicht fliegen. Übrigens sind auch Pflanzen mit gefüllten Blüten für Insekten nutzlos. Solche Zuchtformen haben das Ziel, das Auge des Gärtners zu erfreuen, Pollen und Nektar sind in solchen Blüten allerdings nicht vorhanden.

Unbedingt heimische Blütenpflanzen wählen, Exoten sind meist unbeliebt

Das Ergebnis: Die Tiere verwenden Energie, um die Blüten anzufliegen, gehen aber immer wieder leer aus. Ihre bunte Pracht sollte also unbedingt aus heimischen Blütenpflanzen bestehen. Bei Saatgutmischungen aus dem Gartencenter ist das selten der Fall; eine Zusammenstellung von Arten der Regionalflora findet man eher in spezialisierten Gärtnereien, viele Wildpflanzengärtnereien versenden ihr Saatgut auch per Post. Mit einer Portion Geduld gesegnete Gärtner können im Spätsommer und Herbst natürlich auch Samen in einer Wiese sammeln.

Apropos: Achten Sie bei Ihrer Samenauswahl darauf, dass das Saatgut samenfest ist – dann ist es fähig, sich immer wieder zu vermehren und sät sich selber aus. Bei zertifizierten Saatgutmischungen wird oft darauf geachtet, dass nicht alles gleichzeitig blüht, sondern Insekten und Gärtner möglichst über einen langen Zeitraum Freude an den Blumen haben; man spricht hier von der Berücksichtigung der Blühabfolge. Wenn Sie einzelne Arten selber mischen möchten, achten Sie darauf, dass diese zu verschiedenen Zeiten blühen.

Runden Sie Ihre Blütenauswahl durch Wildstauden wie Wiesen-Margerite, Wiesen-Schafgarbe, Steppen-Salbei, Fingerhut oder Blauen Eisenhut ab, auch sie sind beliebte Insekten-Oasen. Sie überbrücken überdies die Wartezeit, gedeihen über mehrere Jahre und sind dadurch arbeits- und kostensparend. Eine weitere schöne Ergänzung bilden Kräuter wie Thymian, Schnittlauch, Minzen, Salbei, Melisse, Oregano oder Dill. An ihnen naschen nicht nur wir gerne, sondern auch Insekten. Diese Pflanzen bilden eine Ausnahme und müssen nicht heimisch sein, wichtig ist aber, dass nur Saatgut in Bio-Qualität eingesetzt wird.

 

Wie Sie bei der Aussaat vorgehen sollten und wie Ihre Wildblumen gepflegt werden möchten, erfahren Sie in der neuen Ausgabe von FOOD & FARM. Außerdem geben wir nützliche Tipps, wie auch Balkongärtner Wildblumen für Insekten säen können.