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Wildkräuter sammeln – Vitamine vom Wegesrand auf den Teller

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Autorin: Susanne Wächter

„Hier das ist eine Vogelmiere“, sagt Tine Knauft, bückt sich, knipst vorsichtig ein zartes Blatt der bodendeckenden Pflanze ab und reicht es zur Kostprobe. Schmeckt irgendwie ein wenig wie Mais und irgendwie auch doch nicht. „Viele Wildkräuter haben einen ähnlichen Geschmack wie Gemüse, das wir kennen, aber eben nicht immer“, so die junge Frau, die seit etwa fünf Jahren als Kräuterpädagogin unterwegs ist, Workshops anbietet und Wanderungen wie diese.

Für Knauft ist das Sammeln eine ganz andere Art, die Natur zu erleben, wie sie sagt. „Für mich ist es unheimlich befriedigend, wenn ich einen Korb voller Kräuter sammele. Es ist viel mehr, als einfach nur Pflanzen mit nach Hause zu bringen“, erzählt Knauft. Sie freut sich über jede Pflanze, die sie ab Frühjahr auf dem Boden entdeckt.

Die Natur bietet einen reichhaltig gedeckten Tisch

Die ersten Blätter und Blüten bedecken den Waldboden schon im März. Bis Oktober, und je nach Witterung auch bis in den November, bietet die Natur einen reichhaltig gedeckten Tisch. Man muss sie nur finden, die Kräuter, die für Laien eher als Blumen getarnt daherkommen. So wirkt die Taubnessel mit ihren weißen, lila und gelben Blüten eher wie eine Blume, aber nicht wie etwas Essbares.

„Jedoch sollten Laien auch nicht unbedarft alles pflücken, was sie für essbar halten, auch unter den Wildkräutern gibt es nämlich giftige Pflanzen. Der Bärlauch etwa ist schnell mit Maiglöckchen und den Herbstzeitlosen zu verwechseln. „Am besten anfangs nicht alleine ohne fachkundige Beratung losziehen“, rät Knauft. Denn es gibt noch weitaus mehr giftige Doppelgänger. Auch die Vogelmiere hat einen zum Verwechseln ähnlichen Doppelgänger, das Ackergauchheil, welches allerdings rote oder blassblaue bis lilafarbene Blüten trägt.

Kräuter haben mehr Vitamine als ein Salat

Aber Tine Knauft kennt sich aus. Auch damit, was man aus den Kräutern, die wir bei unserem fast zweistündigen Gang durch die Natur finden, zubereiten kann. Die Vogelmiere enthält sehr viel Vitamin B1 und B2, etwa zehnmal mehr als Grünkohl. „Grundsätzlich haben Wildkräuter einen höheren Vitalstoffgehalt als Kulturgemüse“, so Tine Knauft, die selbst gerne mehrere Wildkräuter zu einem Salat mischt, auch wegen der vielfältigen Geschmäcker. Dazu sucht sie sich noch Waldschaumkraut oder Taubnessel zusammen, und aus Spitzwegerich, der eine leichte Champignonnote hat, kocht sie eine Pilzsuppe ganz ohne Pilze.

Dann wären da noch Sauerampfer, Spitzwegerich, Brennessel, ja sogar Gänseblümchen eignen sich hervorragend für den Verzehr. Einzeln schmeckt Sauerampfer, wie sein Name es vermuten lässt, wirklich recht sauer, was sich im Abgang aber relativ schnell auflöst. Alles, was Knauft während unseres Spazierganges findet, knipst sie ab und reicht es zum Probieren.

„Diese Kräuter wachsen übrigens nicht nur hier auf den Wiesen oder im Wald, sondern auch in vielen Gärten“, so Knauft, die häufig genug von Gärtnern angerufen wird, ob sie nicht ernten kommen wolle. Viele Gärtner lassen Wildkräuter nicht stehen, empfinden sie als lästiges Unkraut. „Dabei sind Wildkräuter sehr gesund“, sagt Knauft. „Und für die ökologische Vielfalt und das Gleichgewicht in der Natur eigentlich unerlässlich“, fügt sie hinzu.

Pflanzen nicht komplett ausreißen

Insekten lieben sie. Auch deshalb sollte mit Wildkräutern sorgsam umgegangen werden. Niemals sollten Sammler ganze Pflanzen einfach ausrupfen. Zum einen möchten vielleicht auch andere Sammler noch etwas vorfinden, zum anderen soll die Pflanze natürlich auch die Chance haben weiterzuwachsen. „Weil der Geschmack der Kräuter so intensiv ist und man sie gut als Salat mischen kann, reicht es aus, zwei Hände voll von einzelnen, vorsichtig abgeknipsten Blättern mitzunehmen“, erklärt Knauft. Regelmäßig bietet sie am Kölner Stadtrand auf Gut Leidenhausen unter anderem über das Umweltbildungszentrum ihre Wanderungen und Workshops an. In den nahe gelegenen Wäldern und auf den Wiesen rund ums Gut wachsen reichlich Wildkräuter, die mit den Besuchern gesucht werden können. (…)

 

Was man aus den gesammelten Kräutern alles zaubern kann und welche Vielfalt an Kräutern in heimischen Gärten wachsen kann, erfahren Sie in der aktuellen FOOD & FARM. Außerdem haben wir noch eine zweite Kräuterexpertin besucht. Und zwar in ihrem eigenen, duftenden Garten. Plus: Kreative Salat- und Suppenrezepte mit Wildkräutern und Lesetipps für mehr Kräuterwissen.