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Wo die süßesten Früchte hängen – Besuch auf dem Obsthof Schneider

Reportage auf dem Obsthof Schneiders am 17.03.2020 in Bonn für das Food and Farm Magazin. Foto: DANIEL ELKE

Reportage auf dem Obsthof Schneiders am 17.03.2020 in Bonn für das Food and Farm Magazin. Foto: DANIEL ELKE

Autorin: Susanne Wächter

Die Sonne zeigt sich an diesem Tag von ihrer besten Seite: Eine leichte Brise fegt über den Hof und die Felder, kleine Staubwolken wirbeln über den trockenen Boden. Kurz innehalten ist angesagt, denn der Blick hier oben ist einfach atemberaubend: In der Ferne erhebt sich das Siebengebirge mit seinen massiv wirkenden, für Alpinisten jedoch eher überschaubaren Gipfeln, davor schmiegen sich leicht wellige Hügel an, auf denen aus der Ferne Obststrauch- und Baumgerüste wie Zahnstocher wirken.

Doch diesen Blick genießen kann die Familie von Stefan Schneider nicht immer, seit März laufen die Vorbereitungen für die Obsternte. Ab April dann nimmt die Arbeit an Fahrt auf, wächst weiter und weiter in den Folgewochen, der Takt schlägt nun bis weit hinein in den September. Etwa hundert Hektar Land bewirtschaftet die Familie im Wachtberger Vorort Kürrighoven in der Region um Meckenheim und Bonn, auf einem der größten Höfe seiner Art in der Region.

Sobald die ersten Früchte reif sind, ist’s vorbei mir der Ruhe

Noch wirkt alles eher ruhig auf dem Obsthof Schneider, hier und da kommt jemand aus den Hallen, in denen schon bald Äpfel sortiert, Himbeeren und Erdbeeren verpackt, Kirschen und Stachelbeeren für den Transport fertig gemacht werden. Die meisten Mitarbeiter sind auf den Feldern beschäftigt, alles erscheint wie die Ruhe vor dem Sturm. In der Erntezeit jedenfalls wird es wesentlich betriebsamer zugehen auf Schneiders Obsthof, so viel steht fest.

Auch optisch verändert sich das Leben rund ums Hofgelände schon Stück für Stück. Während die ersten Erdbeeren schon zur Reife kommen, stehen die Himbeeren und Stachelbeeren erst am Anfang. Auch Äpfel und Birnen brauchen noch ihre Zeit. Trotzdem lassen uns die Früchte an den Sträuchern und Bäumen rund um den Obsthof von Familie Schneider förmlich beim Wachsen zusehen, nicht zuletzt die Erdbeeren und Himbeeren, die in Tunneln, vor Kälte geschützt, ein optimales Klima vorfinden und prächtig gedeihen. Hier herrscht halt schon seit Ende März eine wohlige Wärme, die Pflanzen mögen das.

Obsthof ist seit Jahren fest in Familienhand

Friederike Schneider, eine von insgesamt drei Töchtern von Obstbauer Stefan Schneider, kommt aus der Tür. Sportlich sieht sie aus, wie sie so dasteht. In Jeans, festem Schuhwerk und Sweatshirt-Jacke gegen den Wind, der oft auf den Hügeln im Wachtberger 400-Seelen-Dorf Kürrighoven weht. Sie strahlt über das ganze Gesicht: „Das hier ist unser Hof“, sagt sie und macht eine ausladende Bewegung mit der rechten Hand. Seit vielen Jahrzehnten ist der Hof in Familienhand, fast alle packen mit an. Friederike ist, ebenso wie ihre Schwester Katharina, Obstbaumeisterin und studierte Betriebswirtschaftlerin. Sie hält die Fäden für den Verkauf der Früchte in Direktvermarktung in der Hand, Katharina übernimmt die Aufgaben rund um die Himbeeren, die Himbeerpflanzenanzucht und das Wasser-Management.

Mit im Family-Team ist auch Schwager Johannes, ebenfalls Obstbaumeister, der sich um den Ernteablauf, die Äpfel und die Kulturpflege kümmert; und natürlich Vater Stefan, der in allen Bereichen und auch im Tagesgeschäft als Berater tätig ist und ebenfalls anpackt. „Nur unsere Schwester Lena ist nicht im Betrieb“, sagt Friederike Schneider. Während wir die Nachfrage „Warum?“ unterdrücken, verliert sich der Blick in der Idylle des Hofes. „Die Ruhe hier ändert sich schon bald, wenn die ersten Früchte reif sind“, sagt Friederike, als könne sie zumindest einen Teil unserer Gedanken lesen. „Dann hat der Arbeitstag mehr als acht Stunden, und Freizeit gibt es auch nicht mehr.“

Erfolgreich ernten, heißt gut planen

Der Rhythmus ist dann Rock ’n’ Roll: Im März und April gibt’s Vorarbeiten, ab Ende April beginnen die Mitarbeiter auf dem Obsthof mit der Erdbeerernte, im Juni und Juli werden die Himbeeren reif, dann folgen Stachelbeere, Mirabelle, Apfel und Birne. Täglich fährt Friederike Schneider mit ihrem Auto die Felder ab, bewertet das Wachstum, kontrolliert, ob sich Schädlinge auf die Pflanzen setzen. „So wissen wir frühzeitig, wenn es Probleme gibt, und können frühzeitig dagegen vorgehen und die Obstbäume und -sträucher besser schützen“, erklärt sie.

Und warum das Auto? Das liegt daran, dass nicht alle Obstfelder unmittelbar am Hof liegen. „Wir haben hier Distanzen von etwa zehn Kilometern zwischen den Feldern zu bewältigen, also fahren wir unsere Erntehelfer mit Bussen und Transportern zu den Feldern. Und nutzen für uns selbst den Pkw“, so die 26-Jährige. Während Friederike Schneider weiter die Abläufe auf dem Hof erklärt, bereiten zwei Frauen das Mittagessen in der Hofküche vor. In der Kantine, die eher wirkt wie ein modernes Ausflugslokal, wird täglich frisch gekocht. Bei schönem Wetter würden oft alle gemeinsam auf der Terrasse sitzen und den Ausblick genießen – sie zeigt auf ein teichähnliches Bauwerk direkt unterhalb der Kantinenterrasse: „Und das ist unser Wasserbecken für trockene, heiße Sommertage.“

Sie erklärt, dass es in der Gegend wenig regnen würde, und aus den Bächen dürften sie kein Wasser zur Bewässerung entnehmen. Deshalb hätten sie ihr eigenes Wasser-Reservoir angelegt, das Regenwasser auffangen würde, um so in trockenen Phasen die Bäume und Sträucher wässern zu können.

So werden die Früchte auf dem Obsthof angebaut

Bei den Schneiders sind 25 Angestellte ständig beschäftigt, aber zur Erntezeit wächst der Mitarbeiterstamm rasant. „Wir haben allein 30 Verkaufsstände in der gesamten Region, dafür benötigen wir Fahrer, Koordinatoren und Verkäufer. Und ja, die Ernte können wir auch ohne unsere Saisonarbeitskräfte nicht leisten“, schildert die 26-Jährige während wir zu den Himbeerfeldern fahren.

„So hier wären wir“, sagt sie und parkt den Kombi am Rand der weißen Tunnel. Sie schlägt ein Stück der Plane nach oben, ein kleiner Eingang wird frei, drinnen unter dem weißen Dach herrschen gefühlte zehn Grad mehr als draußen, einige kleine Insekten sammeln sich in der Ecke der Plane. „Die sind nicht schädlich“, sagt Friederike mit einem Lächeln.

An gespannten Schnüren ranken die Himbeerpflanzen in die Höhe; zur Stabilität und für ein wenig mehr Halt auch vor den Pflanzen Schnüre gespannt. Es riecht wie in einem Blumenmarkt, ein Gemisch aus frischem Substrat und Feuchtigkeit. „Hier werden bald die Früchte wachsen“, sagt Friederike und nimmt einen kleinen Zweig in die Hände: „Es sind die Stämme von letztem Jahr.“ (…)

 

Mehr über den Anbau von Himbeeren, Erdbeeren und Äpfeln sowie den Umgang mit Schädlingen und Schlechtwetterkapriolen auf dem Obsthof Schneider erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe von FOOD & FARM. 

 

Die Obstbauern haben uns aber ihr Lieblingsrezept mit Erdbeeren verraten:

Erdbeer-Tiramisu

Erdbeer-Tiramisu vom Obsthof Schneider 

Für 6 Personen
Zubereitungszeit: ca. 40 Minuten
Wartezeit mindestens 1 Stunde

500 g Erdbeeren oder Himbeeren, wahlweise auch mit Stachelbeeren putzen. 100 g der Früchte mit 1 EL Zucker pürieren und kalt stellen. 250 g Magerquark und 250 g Mascarpone mit 2 EL Zucker, 1 EL Limettensaft, 1 Pck. Vanillezucker cremig rühren. Die restlichen 300 g Früchte klein schneiden und vorsichtig unter die Creme heben. Eine Form mit Löffelbiskuits auslegen und diese mit 6 EL Orangensaft beträufeln. Das Fruchtmark und die Mascarpone/Quarkcreme abwechselnd auf die Löffelbiskuits schichten und anschließend mindestens 1 Std. kalt stellen.

Vor dem Servieren mit ganzen Früchten garnieren.

Wir wünschen: Guten Appetit!