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Acker für alle – jetzt Gartenfläche mieten

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Autorin: Susanne Wächter

Andächtig lässt Cordula Seifert den Blick über ihre Parzelle schweifen. Unkraut hat sich breitgemacht. „Der Spinat ist hin“, stellt sie enttäuscht fest und betritt ihren gerade frisch erworbenen Acker. Erst vor wenigen Tagen hatte sie von Freunden erfahren, dass einige wenige Flächen auf einem Selbsterntefeld am Stadtrand von Köln noch zu haben sind. „Und seit heute gehöre ich dazu“, sagt sie und schiebt sich breit grinsend eine Zuckerschote in den Mund.

Der Boden ist steinhart. Doch die Petersilie, die Zucchini, Gurken, Salate, Kartoffeln und Kohlsorten, die bereits im Frühjahr von Bio-Landwirt Evgeny Ivanov gesät wurden, scheinen prächtig zu gedeihen. „Das wird jetzt noch viel Arbeit“, sagt Seifert voller Tatendrang. An einigen Stellen will sie den Boden ein wenig auflockern.

Ivanov hat das Stück Land von der Stadt Köln gemietet. Es ist eine von vier Ackerflächen, die er den Städtern zur Verfügung stellt. Umgeben von einem Neubaugebiet auf der einen und einem Park auf der anderen Seite, wirkt „Gartenglück“ mit seinem Kaninchendraht, der vor freilaufenden Hunden und eben auch knabbernden Kaninchen schützen soll, wie eine kleine grüne Oase. Im Mai hat der Bauer mit der Aussaat begonnen, die Pflege und das Ernten übernehmen die Mietgärtner.

Vor 15 Jahren haben er und seine Frau Katrin mit einer Fläche angefangen. Ihr Ziel ist es, Städtern einen eigenen Gemüsegarten zu ermöglichen und Spaß am Gemüseanbau zu vermitteln. Die Ivanovs haben Ökologische Agrarwissenschaften studiert und sind selbst von der ökologischen Art des Anbaus überzeugt. Die beiden bewirtschaften einen eigenen Hof im Bergischen Land vor den Toren Kölns.

Gartentipps und Rezepte werden im Vorbeigehen getauscht

Ihr Konzept scheint aufzugehen. Alle Parzellen sind vermietet. Die meisten Gärtner teilen sich eine mit Freunden. Zwischen 50 und 100 Quadratmeter sind sie groß. Während die einen die Reichhaltigkeit der Ernte begrüßen, weil sie viel Gemüse verarbeiten und nun nicht mehr in den Supermarkt müssen, wissen die Anfänger unter den Mietgärtnern noch nicht so recht, wie sie ihre Ernte verarbeiten sollen. Aber da helfen die Nachbarn gerne aus. Tipps werden regelmäßig ausgetauscht. „Und Rezepte auch“, ruft ein Gärtner im Vorbeigehen zu.

Auch Dagmar Volk bewirtschaftet ihre Parzelle nicht allein. „Es ist doch einiges an Arbeit“, sagt sie. Unkraut zupfen und den Boden auflockern. Gießen aber müsse sie nicht häufig, sagen ihr die anderen Hobbygärtner, die an diesemTag mit vollen Taschen den Acker verlassen. Landwirt Evgeny Ivanov bestätigt: „Ein Mal hacken ist wie drei Mal gießen.“ Da hält er es so, wie es ihm seine Großmutter beigebracht hat. Enthusiasmus, der überspringt.

In der Regel ist der Bio-Bauer ein Mal pro Woche an der Ackerfläche. An diesem Tag steht sein Transporter gefüllt mit Setzlingen am Feldrand. Auch für Fragen der Parzellenmieter steht Ivanov bereit. Wenn er die Fragen der Hobbygärtner beantwortet, ist ihm die Freude dabei anzumerken. Es gefällt ihm, zu sehen, dass der Enthusiasmus, den er der ökologischen Landwirtschaft entgegenbringt, auf die Parzellenmieter überspringt.

Ortswechsel. Im benachbarten Bonn haben Natalie Kirchbaumer und Wanda Ganders ein ähnliches Projekt aufgebaut. Schon während des Betriebswirtschaftsstudiums fragten sich die beiden Frauen, woher ihre Lebensmittel stammen und ob man diese nicht nachhaltig selbst anbauen könne. „Aber wer wie wir damals in einer Mietwohnung ohne Garten oder Balkon wohnt, kennt das Dilemma. Der Wunsch nach einem eigenen Gemüseanbau bleibt oft nur ein Traum“, sagt Kirchbaumer. Schnell sei es klar gewesen, dass dieser Wunsch nicht unerfüllt bleiben sollte. „Wir wollen die Dinge ein Stück weit selbst in die Hand nehmen. Eigenes Gemüse anbauen in der Stadt. Flexibel, einfach und für jeden ohne Vorkenntnisse machbar. Nach einigen Gesprächen mit landwirtschaftlichen Familienbetrieben war ,meine ernte‘ geboren“, blickt Natalie Kirchbaumer zurück.

So funktionieren die Mietgarten-Konzepte

Mit sechs Standorten sind die beiden Gründerinnen gestartet, bis heute haben sie die Anzahl der Mietgärten auf 27 steigern können – und es ist immer noch Luft nach oben. „Aber es muss passen“, meint Natalie Kirchbaumer. Damit meint sie die Kooperationspartner, aber auch die Flächen. Weil die beiden Ideengeberinnen keine Agrarfachfrauen sind, haben sie die Landwirte als Partner ins Boot geholt. Diese unterstützen die Frauen beim Einteilen der Parzellen und säen das Gemüse ein. Ein paar Reihen bleiben frei. Dort können die Mieter selbst entscheiden, was sie hinzupflanzen möchten. Auf einem Acker stehen Tomaten, auf dem anderen wurden Kräuter gepflanzt, andere säen essbare Blumen oder weitere Salatköpfe.

(…)

 

So viel kostet ein Mietgarten

Je nach Anbieter können die Preise schwanken. In der Regel liegen sie für kleinere Flächen von 45 bis 50 Quadratmetern bei 220 Euro jährlich, für knapp 90 oder 100 Quadratmeter bei über 400 Euro.

 

Anbieter und Adressen: 

„meine ernte“ ist mittlerweile an 27 Standorten in Deutschland vertreten. Flächen gibt es in Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, Wiesbaden, Berlin und vielen anderen Orten: meine-ernte.de „Gartenglück“ ist nur in Köln tätig. Mehr zum Projekt unter: gartenglueck.de Ein weiterer Anbieter sind die „Ackerhelden“: Auch sie stellen verschiedene Ackerflächen im ganzen Land bereit: ackerhelden.de

 

Mehr Infos zu den Mietgarten-Angeboten in Deutschland und wie die Hobbygärtner diese nutzen, erfahren Sie in der neuen FOOD&FARM. Außerdem haben uns die beiden  Gründerinnen von Meine Ernte spannende Rezepte mit regionalem Obst und Gemüse verraten. Jetzt bestellen!