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Glück am Stiel – Kirschen frisch vom Baum

Sweet fresh cherry on the wooden table, rustic style and selective focus image

Sweet fresh cherry on the wooden table, rustic style and selective focus image

Autorin: Agnes Prus

In ihrem Kinderbuch „Wir Kinder aus Bullerbü“ beschreibt die Autorin Astrid Lindgren eine der köstlichsten Sommerferien-Freuden auf dem Land: Kirschenzeit! Prallvoll hängen die Bäume – so voll, dass die Kinder sich ein feines Taschengeld mit dem spontan auf die Beine gestellten Verkauf der gepflückten Früchte verdienen können und trotzdem noch nach Herzenslust naschen können. Der übermäßige Genuss zieht zwar ein wenig Bauchzwicken nach sich, aber das schmälert die Freude der Kinder kein bisschen. Das verstehen wir nur zu gut und nehmen uns ein Beispiel am reuelosen Naschen, denn genau so werden idyllische Sommererinnerungen gemacht!

Das steckt drin in der Kirsche

Lecker sind sie allemal, aber nicht nur das: Kirschen bezaubern uns auch, wenn es um gesunde Inhaltsstoffe geht. Neben Vitamin A, Betakarotin, Retinol, Provitamin A, Vitamin C und einiger B- Vitamine punkten die roten Früchte mit Kalium, Zink, Selen und Flavonoiden. Diese sind nicht nur für die leuchtende Farbe verantwortlich, ihnen wird außerdem eine Schutzwirkung gegenüber einer Vielzahl an Krankheiten nachgesagt. Trotz des hohen Anteils an Kohlehydraten ist der Kaloriengehalt (ca. 60kcal/100 g) der wasserreichen Kirsche im Vergleich zu anderen Früchten noch moderat; darüber hinaus regen die enthaltenen Ballaststoffe die Darmtätigkeit an.

Und noch etwas zeichnet die knackigen Früchte aus: Kirschen, insbesondere Sauerkirschen, sind eine gute Melatoninquelle. Der Stoff ist bekannt für seine schlaffördernde Wirkung. Wer also nachts von Unruhe geplagt wird, dem sei als Schlummertrunk ein Glas Sauerkirschsaft ans Herz gelegt.

Die Kirsche ist ein weitgereistes Sommerkind

Kirschen fühlen sich in Gegenden mit gemäßigtem Klima wohl und brauchen bis zu 1.800 Stunden kaltes Wetter, um zur Blüte zu kommen. Die Entwicklung der Frucht geht anschließend recht zügig, von der Blüte bis zur Ernte vergehen nur etwa 100 Tage. Im Frühling mag es die Kirsche mild und ohne große Temperaturschwankungen.

Im Sommer sollten die Tage warm und die Nächte kühl sein – ein Klima, das die Pflanze in ihrer Heimat Kleinasien, also einer Region zwischen Gebirgen und Wüste, vorgefunden hat. Von dort aus verbreitete sie sich über Europa und den Rest Asiens über Wanderungsbewegungen der Menschen, aber auch über Zugvögel. Vor diesem Hintergrund schauen wir vielleicht ein bisschen gnädiger auf die Tiere, die allzu gern an unserer Kirschernte teilhaben möchten– schließlich waren auch sie es, die uns die leckere Frucht beschert haben.

Schon seit der Vorgeschichte wurden Kirschen angepflanzt. Davon zeugen große Mengen von Steinen der Vogelkirsche, einer Urform der heutigen Süßkirsche, die in der Nähe von Steinzeitsiedlungen gefunden worden sind. Und auch die Griechen und die Römer schätzten das köstliche Aroma der saftigen Früchte, allen voran der römische General Lukullus.

Der Liebhaber gediegener Kochkunst und wohl größte historische Kirschenfan trug maßgeblich zur Verbreitung der Pflanze in Europa bei, als er von Kriegszügen Kirschbäume aus der Hafenstadt Kerasus (von der sich auch der Name der Frucht ableitet) mitbrachte und sie auf der italienischen Halbinsel anpflanzen ließ. Dass er die Früchte bei großen Festen servieren ließ, versteht sich von selbst. Außerdem trugen wohl auch seine Soldaten, die nach dem Verzehr die Kirschkerne auf den Boden spuckten, unbewusst zur Verbreitung der Kirsche bei.

Die Obstbäume wurden von den Römern mit Geschick gezüchtet, und so vervielfältigten sich die Kirschsorten im Mittelmeerraum nach und nach. Nachdem es auf dem gesamten europäischen Kontinent Wurzeln geschlagen hatte, kam das süße Obst mit den europäischen Kolonisatoren bis nach Amerika.

Kirschen im Sommer – erst Süßes, dann Saures

Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen Süßkirschen und Sauerkirschen. Erstere versüßen uns von Mai bis Juli den Speiseplan und teilen sich auf in weichfleischige, saftige Herzkirschen und in Knorpelkirschen, die festeres, aromatisches Fruchtfleisch haben. Beide Typen eignen sich hervorragend für den Frischverzehr. Die etwas kleineren Sauerkirschen reifen erst ab Juli. Durch ihren hohen Säuregehalt kommen sie in Marmeladen, Kompott und Kuchen am besten zur Geltung. Hier unterscheidet man zwischen Süßweichseln, Glaskirschen oder Amarellen und den sehr sauren Schattenmorellen.

Den Zeitraum, in dem Kirschen geerntet werden, bezeichnet man in Deutschland als Kirschwochen. In jeder Woche erreichen unterschiedliche Kirschsorten ihre Reife. Die Kirschwochen bestanden ursprünglich aus sieben Wochen, etwa vom 1. Mai bis zum 15. August. Wer hier einen Rechenfehler vermutet, liegt nicht ganz richtig, denn eine „Kirschwoche“ besteht aus 15 Tagen– eine Festlegung, die auf den Kirschpomologen Christian Truchseß von Wetzhausen zu Bettenburg zurückgeht. Aufgrund des vergrößerten Sortiments durch Neuzüchtungen und auch Zufallsfunde von sehr spät reifenden Kirschen wurde der Zeitraum mittlerweile auf zwölf Kirschwochen erweitert. Viele ursprüngliche Sorten der Steinfrucht sind zwar mittlerweile verschwunden, dennoch gibt es rund 500 Süßkirschsorten und etwa 250 Varianten der Sauerkirsche.

Den Startschuss für die Saison gibt die „Früheste der Mark“, eine sehr alte Herzkirschensorte, die bereits 1794 erwähnt worden ist. Die zu den Knorpelkirschen gehörende „Rote Späternte“ ist die derzeit in Deutschland am spätesten reifende Kirschsorte und beschließt die Saison. Finden Sie bei der Beschreibung der einzelnen Kirschsorten also Angaben wie „Fruchtreife in der 7. KW“, wissen Sie nun, dass Sie je nach regionalen Witterungsverhältnissen und Wachstumsbedingungen mit einer Ernte in den ersten zwei Augustwochen rechnen können.

(…)

 

Unsere Lieblings-Kirschsorten:

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Kirschsorte „Burlat“. Foto: FOOD&FARM

 

Burlat

Wer gerne so früh wie möglich nascht, ist mit der Burlat gut beraten, denn die aromatischen, großen Früchte dieser Sorte sind schon im Juni reif. Dadurch wird sie auch nicht von der Kirschenfruchtfliege befallen, die erst später auf Beutezug geht. Vor Vögeln allerdings muss man die leckeren Herzkirschen schützen!

 

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Hedelfingers Riesenkirsche. Foto: FOOD&FARM

Hedelfingers Riesenkirsche

„Riesenkirsche“ klingt ein gewaltiger, als die dunkelroten Früchte am Ende sind (sie bringen es auf fast acht Gramm), doch sie sorgen trotzdem für wirklich großen, erfrischend saftigen Genuss! Aber auch gute Baumgesundheit, hoher Ertrag und Langlebigkeit machen diese alte Kirschsorte zu einem gern gepflanzten Baum.

 

Kirsch-Rezept: Pikantes Sauerkirsch-Chutney

 

Pikantes Sauerkirsch-Chutney im Weckglas mit Thymian

Pikantes Sauerkirsch-Chutney im Weckglas mit Thymian. Foto: Stockfood

 

FÜR 2 GLÄSER À 25 ML
ZUBEREITUNGSZEIT 20 MIN., KOCHZEIT 15 MIN.

500 g Sauerkirschen waschen, den Stiel entfernen und entsteinen. Grob klein schneiden.

2 Schalotten abziehen und fein würfeln. 1 rote Chilischote waschen und fein hacken.

In einem Topf 1 EL Olivenöl erhitzen, darin die Schalotten anschwitzen, mit 1 EL Zucker

bestreuen und leicht karamellisieren lassen. Die Kirschen zugeben. 4 Zweige Thymian

waschen, zugeben und mit 75 ml Weißweinessig ablöschen. 75 ml Wasser ergänzen und

das Ganze ca. 12–15 Minuten bei milder Hitze einkochen lassen. Leicht salzen, abkühlen

lassen, Thymian entfernen und in Gläser füllen. Sofort verschließen und abkühlen lassen.

Nach dem Öffnen im Kühlschrank aufbewahren und zeitnah verbrauchen.

 

Weitere kreative Kirschrezepte (Käsekuchen mit Sauerkischen, Graupensalat mit Kirschen und Rote-Bete-Sauce uvm.) sowie Steckbriefe anderer, feiner Kirschsorten finden Sie in der neuen FOOD&FARM. Außerdem verraten wir Ihnen darin, wie Sie Ihre Gartenkirschen vor zu nassem Wetter und vor Schädlingen schützen und wie Sie den richtigen Erntezeitpunkt erkennen. Jetzt bestellen!