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Nutzhanf: Kostbar und vielseitig

Hanfbestand mit optimaler Unkrautunterdrückung Kopie
Autorin: Susanne Wächter

Grüne Felder, wo der Blick auch hinschweift. Weizen, Gerste, Dinkel, Hafer und Hanf wiegen sich leicht im Takt des Windes. Letzterer trägt einen leicht süßlich herben Geruch direkt zu uns herüber. „Riechen Sie mal“, fordert uns Moritz Reimer auf. „Das duftet“, sagt der 30-Jährige mit leuchtenden Augen. Wer jemals einen niederländischen Coffeeshop betreten hat, kennt diesen Geruch. Reimer scheint Gedanken lesen zu können. „Nein“, winkt er ab, „damit hat das hier rein gar nichts zu tun“, sagt er und zieht eine der über drei Meter hohen Grünpflanzen auf Nasenhöhe herunter. „Das hier ist Nutzhanf“, erklärt der junge Landwirt ganz fachmännisch.

Auf einer Fläche im nördlichen Vorharz pflanzt Moritz Reimer auf etwa 15 Hektar Nutzhanf an. Es ist eine besondere Sorte. Sie trägt den nüchternen  Namen „USO 31“ und ihr THC-Wert liegt „unter 0,2 Prozent“. Ist also völlig rauschfrei. Ein Grund, weshalb Reimer Nutzhanf anbauen darf. Und das mitten in Deutschland. „Das ist alles geregelt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung“, sagt er. Nur aktive Landwirte dürfen Nutzhanf anbauen, und sie benötigen eine Genehmigung dafür.

Über viele Jahrhunderte gehörte Hanf in Deutschland zu den bedeutenden Kulturpflanzen, bis ihr Anbau 1982 verboten wurde. Seit 1996 ist es wieder unter strengen Auflagen erlaubt. Und auch nur, wenn der THC-Gehalt eben unter 0,2 Prozent liegt. THC steht für Tetrahydrocannabinol. Es ist der psychoaktive Wirkstoff, der normalerweise für die berauschende Wirkung verantwortlich ist.

Nutzhanf ist nicht sehr anspruchsvoll

Zurück nach Hornburg, einem kleinen Ort zwischen Braunschweig und Bad Harzburg mit idyllischen Fachwerkhäusern und kleinen Gassen. Dort bewirtschaftet Moritz Reimer in vierter Generation einen alten Gutshof, der oberhalb des Ortes liegt und über den Feldern thront. Reimer ist Biolandwirt, der gerne experimentiert. Nutzhanf kommt ihm da gerade recht. Seine Mutter hat ihn als Versuch, die hartnäckig im Boden verwurzelte Ackerkratzdistel zu bekämpfen, erstmals im Jahr 2016 angepflanzt. Denn Nutzhanf gilt als Unkrautbekämpfer.

„Doch das hat sich für die Distel nicht bewahrheitet“, wie Reimer erzählt. Geblieben ist der Nutzhanf trotzdem. Hört man ihm aufmerksam zu, spürt man seine Begeisterung für die Pflanze, die anfangs viele Polizeieinsätze auf den Plan gerufen hat. „Gerade zu Beginn dachten viele Spaziergänger, dass sie auf eine Drogenplantage gestoßen sind, und haben sofort die Polizei alarmiert“, erzählt Reimer leicht amüsiert. Heute komme das nicht mehr vor.

Die Menschen in der Region wüssten jetzt, dass es sich um Nutzhanf handelt und nicht um Drogen. Trotzdem sei die Pflanze ein Aufhänger für viele gute Gespräche. „Die Menschen interessieren sich plötzlich, was wir hier anbauen und wie wir es tun“, so Reimer. Und das findet er gut. Dass es ausgerechnet Nutzhanf ist, von dem er so begeistert ist, hat auch mit der Leichtigkeit des Anbaus zu tun. Von der Aussaat im Mai bis zur Ernte im September habe er kaum nennenswerte Arbeit mit dem Acker. Der Hanf wachse quasi wie von selbst. Bis zu vier Meter hoch wird die Pflanze.

Am besten riecht der Hanf im Sommer in der Blütezeit. Doch dann ist er schon so dicht, dass ein Spaziergang durch die Felder nicht mehr angenehm ist. Das Nutzhanffeld ist zu dieser Zeit kaum mehr zu durchdringen, so dicht besiedelt die Pflanze den Acker. Die Wurzeln dringen weit in den Boden ein. So kann sich die Pflanze auch aus tiefen Bodenschichten Wasser holen. Insgesamt ist Hanf recht anspruchslos, benötigt weder Düngergaben noch viel Pflege.

Die Sonderkultur ist ein idealer Unkrautvernichter

Doch noch eine Eigenschaft begeistert Landwirte wie Moritz Reimer: Hanf kann Unkraut auf den Äckern wunderbar unterdrücken. Und die Pflanze kann komplett verwertet werden. Ihm als Biolandwirt liegt an beiden Eigenschaften sehr viel. Denn Reimer geht ausschließlich biologisch gegen Schädlinge und Unkraut auf seinen Äckern vor. Auch die Produkte, die aus seinem Nutzhanf entstehen, sind sehr nachhaltig. Alles wird verwendet. Die Stiele werden zu Stroh getrocknet, später als Dämmung etwa für den Hausbau verarbeitet, die kleinen pfefferkorngroßen Samen liefert Reimer an eine Bio-Ölmühle ins 250 Kilometer entfernte Lommatzsch in Sachsen. „Nutzhanf ist eine wirklich vielfältige Pflanze“, schwärmt er, „und hat das Potenzial, ökonomisch sehr ertragreich zu sein. Allerdings ist das Risiko einer Missernte auch immer präsent.“

Noch ist Nutzhanf eine Sonderkultur und eher seltener auf deutschen Feldern zu sehen. Auch bei Reimer macht sie gerade mal fünf Prozent aller Anbauprodukte aus. Auf seinen 300 Hektar Land baut Reimer Zuckerrüben, Körnermais, der zu Tierfutter verarbeitet wird, Winterweizen, Dinkel, Sommerhafer, Senf, Leindotter, Wicken, Soja, Sonnenblume, Ackerbohne, Erbsen, Gerste und Kleegras an. „Künftig wollen wir uns stärker auf Sonderkulturen fokussieren“, erzählt der Junglandwirt.

(…)

 

Nutzhanf in Deutschland

Auf etwa 1.600 Hektar Fläche wird Nutzhanf in Deutschland angebaut. Davon verfallen knapp 900 Hektar auf den Ökolandbau. Der Anbau ist gesetzlich streng geregelt. Nur landwirtschaftliche Unternehmen und nicht etwa Winzer oder Gemüsebauern dürfen Nutzhanf anbauen. Geregelt und überwacht wird der Anbau durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Dort muss die Frucht angemeldet werden, auch muss der Landwirt jeden Schritt des Anbaus dokumentieren und die Blüte des Hanfes melden. Es werden Proben entnommen, um den THC-Wert festzustellen. Denn die Landwirte dürfen ausschließlich Sorten mit einem THC-Gehalt von maximal 0,2.Prozent anbauen.

 

So schmeckt Hanf

Lebensmittel aus Hanfnüssen gelten als sehr gesund wegen ihres hohen Anteils an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und mehreren essenziellen Aminosäuren, die von unserem Körper nicht selbst hergestellt werden können. Mittlerweile gibt es zahlreiche Produkte, die auf Basis von Hanföl oder Hanfsamen hergestellt oder damit versetzt wurden. Ganz preiswert sind die Produkte aber nicht. Wir haben in der großen Auswahl des Online-Shops „Hanfprodukte“ ein wenig gestöbert. hanfprodukte.de

HANFNUDELN

Hanfnudeln bestehen aus Hartweizen und Speisehanfmehl. Letzteres verleiht den Nudeln, die es als Spaghetti oder Spiralnudeln gibt, einen nussigen Geschmack. Sie sind durch den hohen Anteil an Hanfmehl auch besonders reich an Eiweiß, Mineralien und Ballaststoffen. 250 Gramm kosten 3,89.Euro plus Versand.

HANFMEHL

Das Mehl besteht aus fein vermahlenem Hanfsamen aus biologischem Anbau. Es eignet sich zum Backen und Kochen gleichermaßen. Ideal ist es, wenn man etwa zehn Prozent des normalen Getreidemehls durch Speisehanfmehl ersetzt. Hanfmehl ist vor allem für Menschen mit einer Gluten- unverträglichkeit geeignet, da es kein Gluten enthält. Eine Packung mit 500 Gramm Speisehanfmehl kostet 3,59 Euro.

 

Mehr Lebensmittel mit Hanf und ihre Eigenschaften und Geschmäcker finden Sie in der neuen FOOD&FARM. Außerdem geht die Geschichte um den Junglandwirt Moritz Reimer weiter. Wir waren nämlich nicht nur auf dem Feld unterwegs, sondern haben auch erfahren, wie die Hanfnüsse zu Öl verarbeitet werden. In der Mühle hat man uns dann die besten Rezepte mit Hanf verraten. Jetzt bestellen!