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Naturwein – das macht den neuen Trend aus

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Der junge Naturland-Winzer Andi Weigand experimentiert mit Silvaner, Spätburgunder und Riesling. Er nennt die Naturweine „Helden“ oder „die Wilden“. Ihre Namen sind Programm und völlig anders als ihre klassischen Verwandten.

Autorin: Susanne Wächter

Wer Andi Weigand aufmerksam zuhört, spürt seinen Enthusiasmus, seine Liebe zu den Rebstöcken und zum Winzerhandwerk. Er redet mit Händen und Füßen, gestikuliert, und seine Augen beginnen zu leuchten, wenn er von seinem Wein erzählt. Jetzt, Ende August, spaziert er häufiger durch die Weinberge im unterfränkischen Iphofen und nascht die Trauben. „Ich muss sie probieren, ob sie schmecken und wann wir ernten können“, sagt Weigand, während er sich wieder eine kleine Traube in den Mund schiebt. Die Leidenschaft für den Wein war nicht immer vorhanden.

Aufgewachsen auf dem Weingut seiner Eltern, hatte Andi alles im Kopf, aber nicht den Gedanken, einmal in das Weingut seiner Familie einzusteigen. Eigentlich wollte Andi Weigand DJ werden. Die elektronische Musik ist nämlich seine zweite große Leidenschaft. Das hat sich im Alter von 20 Jahren geändert. „Da hat es klick gemacht. Da fing ich an, mich für den Wein und die Winzerausbildung zu interessieren“, schildert Weigand junior die Veränderung. Er entdeckte, dass seine Eltern doch was „sehr Cooles“ haben, aus dem man mehr herausholen kann.

Weigand machte auf einem biologisch wirtschaftenden Betrieb in Geisenheim seine Ausbildung zum Winzer und legte ein Studium der Önologie in Geisenheim nach. Heute ist er 29 Jahre alt und dabei, das Weingut seiner Eltern und Großeltern zu übernehmen. Er bringt viel frischen Wind in den Weinkeller. Denn ein „Weiter so“ sollte es für ihn nicht geben. Er wollte vieles anders machen und gleichzeitig alte Traditionen aufleben lassen. Die Umstellung zum Biobetrieb im Naturland Verbund gehörte ganz am Anfang dazu. Vor allem aber wollte der junge Winzer das etwas angestaubte Image fränkischer Weine verbessern. Und das scheint ihm zu gelingen: Seine Weine sind sogar in Frankreich beliebt. „Ein Ritterschlag“, sagt Andi Weigand, der für eine neue Generation Winzer steht.

Trauben mit Füßen stampfen, die Presse per Hand betreiben

Auf den ersten Blick scheint alles wie auf einem typischen Weingut. Die über neun Hektar Land, auf denen zum Teil alte Weinstöcke von mehr als 50 Jahren in Reih und Glied auf den leicht geschwungenen Hängen stehen. Das Weingut mit seinem imposanten Gebäude. Die Kellergewölbe, in denen die Holzfässer auf kleinen Gestellen festen Halt finden. Auf den zweiten Blick aber findet der Besucher auch gravierende Unterschiede. Wo sonst sieht man noch Mitarbeiter, die mit nackten Füßen die Trauben zu einem Brei stampfen? Oder wie sie die Traubenkörbe in eine handbetriebene Presse schütten? 8.000 Liter presst Weigand auf diese althergebrachte Weise. Sie sind die Grundlage für seinen Naturwein. Aber dazu später mehr.

In die Presse kommt nur, was zuvor handverlesen wurde. „Wir ernten hier per Hand. Damit sind wir zwar bis zu vier Wochen lang beschäftigt, aber es lohnt sich, weil wir faule Trauben direkt abschneiden“, erklärt er. Und der eigentliche Pressvorgang sei besonders schonend. Die Ernte übernehmen auf vielen Betrieben normalerweise Erntefahrzeuge. Sie fahren die Reben ab und reißen alles mit, auch Stiele und faule Trauben. Andi aber will das nicht. „Ich sehe meinen Beruf als Lebenseinstellung. Ich will nur die besten Trauben für meinen Wein ernten. Dann muss ich es so machen, wie ich es tue. Ich habe Prinzipien, von denen ich nicht abrücke.“

Auf chemische Zusätze wird komplett verzichtet

Andi lebt und liebt Wein. Zu seinen Prinzipien gehört es auch, dass er den Hof auf biologische Arbeitsweise umgestellt hat. Schon in der Ausbildung auf einem Bio-Hof ist ihm klar geworden, dass er nur nach ökologischen Prinzipien arbeiten will. Er entschied sich für die Richtlinien des Ökoverbandes Naturland.

Für die Praxis bedeutet dies, dass auf chemische Zusätze komplett verzichtet und mit dem Boden statt gegen ihn gearbeitet wird. Zwischen den Reben wachsen Kräuter, andere Grünpflanzen und Blumen, die für eine Belebung des Bodens sorgen und nebenbei Schädlingen keinen Raum geben. So werden Reben und Boden auf natürliche Weise gesund erhalten. Ein Mal im Jahr überprüft eine unabhängige Kontrollstelle, ob er alle Naturland-Vorgaben einhält.

(…)

 

Die Kraft der Natur:

Naturwein ist kein geschützter Begriff, auch eine offizielle Norm gibt es bislang noch nicht. Fest steht, dass vor allem kleine Winzerbetriebe in dieser Richtung experimentieren, um einen Wein ohne jegliche Zusätze zu kreieren. Und zum größten Teil sind es bio-zertifizierte Höfe. Naturwein beginnt nicht erst beim Keltern. Der Winzer fängt schon im Weinberg damit an, eine natürliche Auslese zu betreiben. Denn in die Presse kommen später nur einwandfreie, gesunde Trauben. Später, nach dem Pressen, was handbetrieben – weil schonender für die Trauben – geschieht, wird der Wein ohne jegliche Zusätze wie etwa Schwefel im Holzfass sich selbst überlassen.

 

Mehr über Andi Weigand und seinen modernen Betrieb in Unterfranken sowie viele Bilder vom Wein und der Herstellung finden Sie in der neuen FOOD&FARM. Bestellen Sie jetzt das aktuelle Heft.